Sharon bei Chirac in Paris: Frankreich und Israel legen Antisemitismus-Streit bei
- Staatschefs um besseres Verhältnis bemüht
- Paris warnt den Iran vor Urananreicherung
·5.000 Palästinenser sollen Gaza schützen
Einsatz nach israelischem
Abzug aus Territorium
·Israel will den Gaza-Abzug beschleunigen
Rückzug ist für die zweite
August-Hälfte geplant
Frankreich und Israel haben am Mittwoch ihren Antisemitismus-Streit beigelegt und über gemeinsame Wege zur Friedenssicherung im Nahen Osten gesprochen. Der französische Präsident Jacques Chirac empfing den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon in Paris und bezeichnete sein Land als langjährigen Freund Israels.
"Ich bin überzeugt, dass dieser Besuch eine Annäherung zwischen beiden Ländern ermöglichen wird", sagte Sharon, der erstmals seit vier Jahren Frankreich besuchte. Chirac schlug seinem Sprecher zufolge die Gründung einer französisch-israelischen Stiftung zur Vertiefung der Beziehungen auf allen Ebenen vor. Das zweieinhalbstündige Arbeitsessen Sharons und Chiracs sei in "herzlicher Atmosphäre" verlaufen, sagte Chiracs Sprecher Jerome Bonnafont.
Es war der erste offizielle Frankreich-Besuch Sharons, nachdem dieser im Juli des vergangenen Jahres vom "wildesten Antisemitismus" in Frankreich gesprochen hatte und den französischen Juden nahe legte, unverzüglich nach Israel auszuwandern. Die französische Regierung hatte daraufhin eine bereits erteilte Einladung ausgesetzt. Die Außenminister beider Länder hatten sich aber bereits wieder besucht.
Sharon brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass der Friedensprozess im Nahen Osten durch gemeinsame Anstrengungen voran kommen könne. Israel setzt bei der Entwaffnung der radikalen libanesischen Hisbollah-Miliz auf die Unterstützung Frankreichs. Die Extremisten gelten als Gefahr für den für Mitte August geplanten Abzug der Israelis aus dem Gaza-Streifen.
Chirac erklärte mit Blickrichtung auf den Gaza-Abzug, Frankreich stehe an der Seite des israelischen und des palästinensischen Volkes. Er sagte, der Abzug könne als Katalysator des Friedensprozesses in der Region wirken und nannte den geplanten Rückzug eine "historische Entscheidung". Frankreich sei für die Gründung eines "lebensfähigen und unabhängigen Palästinenserstaates". Diese werde Israel ein Leben in Sicherheit ermöglichen.
Sharon dankte dem französischen Staatschef für den "sehr scharfen Kampf gegen den Antisemitismus". Chirac habe ihn "aufs Herzlichste" in Frankreich willkommen geheißen. Die Beziehungen zwischen Frankreich und Israel waren in den vergangenen Jahren von erheblichen Meinungsverschiedenheiten geprägt.
In Frankreich leben rund 600.000 Juden, zugleich aber auch Europas größte islamische Gemeinde. Die zahlreichen judenfeindlichen Anschläge in dem Land werden häufig jungen Muslimen zur Last gelegt und mit der prekären Situation im Nahen Osten in Verbindung gebracht. Regierungsangaben zufolge ist die Zahl der antisemitischen Anschläge in der ersten Hälfte dieses Jahres jedoch gesunken. Seinen Aufruf zur Auswanderung hatte Sharon nicht zurückgenommen.
Ein weiteres Thema war der Iran. Chirac betonte, er sei für eine Einschaltung des UNO-Sicherheitsrates, sollte Teheran bei seinem umstrittenen Atomprogramm nicht einlenken. Ziel sei es, von Teheran "handfeste Garantien" für eine Einstellung der Urananreicherung zu erhalten, erklärte Chirac nach Angaben eines Präsidialsprechers am Mittwoch im Gespräch mit Sharon. "Wenn das nicht der Fall ist, müsste diese Frage vor den Weltsicherheitsrat gebracht werden", sagte der Staatspräsident. (apa)
