Donnerstag, 28. Juli 2005

Millionen-Invasion der Insekten: Die
Gelsen, Wespen und Ameisen kommen!

  • Quälgeister-Alarm: Mega-Angriff von allen Seiten
  • PLUS: Diese Insekten werden uns 2005 quälen

Seit zwölf Jahren kämpft Thomas Benedik, 33, gegen einen beinahe unsichtbaren Feind. Ausgerüstet mit Mundschutz, einem 30-Liter-Tank samt Motorpumpe und einer großen, kanonenartigen Sprühpistole stellt er sich gemeinsam mit seinem Kollegen Erich Schöberl, 37, immer wieder einer schier übermächtigen Armada. Das Einsatzgebiet: die March-Thaya-Auen im niederösterreichischen Hohenau. Die Gegner: Millionen von Gelsen. Der Auftrag: Vernichtung der lästigen Blutsauger.

"Es ist eine Sisyphosarbeit: Wir müssen alle stehenden Tümpel ausfindig machen, denn jede nicht vernichtete Larve produziert Tausende Nachkommen. Alle 14 Tage versprühen wir 1.500 Liter eines Eiweißpräparats", erklärt Thomas Benedik. Von der Effizienz ihrer Aktion sind die Gelsenjäger überzeugt: "Innerhalb von 15 Minuten sind die Larven fällig."

Sommer 2005: Insektenplage
Ob Gelsen, Wespen, Zecken oder Schaben - Jahr für Jahr trüben Millionen von fliegenden und krabbelnden Quälgeistern den Österreichern die Sommerfreude an Schanigarten, Freibad oder Grillfest. Aber in diesem Sommer warnen Experten vor einer regelrechten Insekteninvasion.

Denn aufgrund des milden Winters und des niederschlagsreichen Frühjahrs haben Insekten ideale Lebensbedingungen vorgefunden und sich extrem vermehrt. Gelsenforscher Bernhard Seidel: "Seit Jahren hat es zum Beispiel für Gelsen nicht mehr so gute Brutbedingungen gegeben - eine Invasion steht unmittelbar bevor. In den Auen könnte man dann theoretisch bis zu 5.000-mal pro Minute gestochen werden."

Angriff der Schaben
Doch nicht nur Gelsen erweisen sich derzeit als Plage: Die Kärntner Gemeinde Pribelsdorf etwa wird seit Mitte Juli von Tausenden Schaben heimgesucht. Ähnlich einer biblischen Plage fielen die Kakerlaken über den Ort her und siedelten sich in Mauerritzen an. Bürgermeister Josef Pfeifer: "In der Nacht kommen sie aus den Nischen und wandern in Scharen durch unseren Ort. Wir haben deshalb bereits einen Schaben-Krisenstab einberufen und eine Schädlingsbekämpfungsfirma anrücken lassen." Mit einem Ende des Chaos rechnet Bürgermeister Pfeifer nicht so bald: "Bis die letzte Schabe Pribelsdorf verlassen hat, kann es - laut Experten - noch zwei Monate dauern."

Tödliche Zeckengefahr
Die größte Gefahr für den Menschen lauert jedoch nicht in Häusern oder Gewässern, sondern in Wald und Wiese: die Zecken - Krankheitsüberträger der mitunter tödlich endenden Frühsommer-Meningo-enzephalitis (FSME). Und auch wenn die Durchimpfungsrate in Österreich bei 80 Prozent liegt, ist die Zahl der Zeckenopfer heuer erstmals wieder gestiegen. Der Grund: Aufgrund des Klimawandels ist es zu einer massiven Ausbreitung der Zeckenpopulation gekommen. Krankheitserreger, die bisher nur in Südeuropa zu finden waren, verbreiten sich damit auch im Norden.

Invasion der Tigermücke
Und nun droht noch eine Insektenplage, gegen die es bislang keine Schutzmaßnahmen gibt. Experten der Schweizer Arbeitsgruppe Mücke schlagen bereits Alarm: Die Tigermücke kommt. Das Insekt, das in seiner Heimat Asien als Überträger des gefährlichen Dengue-Fiebers gilt, ist jetzt erstmals bis in die Schweiz vorgedrungen - und könnte daher auch bald nach Österreich gelangen.

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28.7.2005 09:32