Im Häf'n ist die Hölle los: Österreichs Gefängnisse platzen aus allen Nähten
- NEWS: Immer mehr Häftlinge aber weniger Personal
- Plus: Drei Exhäftlinge über den brutalen Haft-Alltag

Österreichs Gefängnisse platzen aus allen Nähten: Immer mehr neue Häftlinge, aber immer weniger Wachpersonal. Jetzt macht die Justizwache mobil und droht mit Streik. Plus: Drei Exhäftlinge über den brutalen Häfn-Alltag.
Wenn du keine Gschäftln laufen hast, kannst du hier drinnen nicht überleben. Denn wenn du irgendwann einmal rauskommst und du nichts hast dann bist du nichts. Paul (Name von der Redaktion geändert) weiß, wovon er spricht. Seit 1995 verbüßt er eine Haftstrafe wegen schwerer Körperverletzung und Einbruchs. Mehr darf NEWS nicht preisgeben, denn dem 37-Jährigen ist klar: Wenn die da drinnen erfahren, dass ich geredet habe, wär das nicht gut für mich.
Nerven liegen blank
Mit denen da drinnen meint er nicht nur die anderen Gefängnisinsassen, sondern auch die Justizwachebeamten. Auf engstem Raum sind die beiden Gruppen einander quasi ausgeliefert. Die einen: verurteilte Verbrecher, abgeschlossen von der Außenwelt. Die anderen: Staatsbedienstete, deren Job laufend schwieriger und gefährlicher wird. Und die immensem Druck ausgesetzt sind.
Karl Aichinger vom Zentralausschuss der Justizwachebeamten über die dramatische Situation in Österreichs Justizanstalten: Jedem Wachebeamten stehen mittlerweile drei Häftlinge gegenüber, in einzelnen Gefängnissen ist das Verhältnis sogar noch schlechter. Eine ausreichende Betreuung der Insassen ist da nicht mehr möglich. Schließlich sollte jeder Beamte maximal zwei Häftlinge zu bewachen haben.
Zudem betont Aichinger: Mit mehr Personal hätten vermutlich viele Ausbrüche der jüngsten Zeit verhindert werden können. Weil uns die Insassen eben viel erzählen und zu uns Vertrauen fassen wenn wir uns mit ihnen beschäftigen. Nur dafür haben die Beamten zu wenig Zeit.
Heroin für zehn Tabak
Womit die Gesetze hinter Gittern härter werden. Wenn einer kommt und nicht zu uns passt, kümmern wir uns um ihn. Dann wird er sich halt versetzen lassen, erzählt Paul. Was er meint, ist klar: Wer sich nicht in die Hierarchie eingliedert, bekommt eine Abreibung. So lange, bis er sich anpasst. Oder geht. Paul: Wir wollen unsere Ruhe. Und keine Wichtigtuer. Sondern Kollegen, welche die internen Strukturen der Anstalten akzeptieren, also auch die illegalen Geschäfte mit Suchtgift. Und die Tatsache, dass nicht wenige Häftlinge erst im Gefängnis drogenabhängig werden. Ich bin clean in den Häfn gegangen, erzählt Michael Z., der 14 Jahre seines Lebens hinter Gittern verbracht hat, und ich war süchtig, als ich rauskam
Boomender Schwarzmarkt
Die Währung für illegale Substanzen ist Zigarettentabak. Die Einheit: Päckchen zu 50 Gramm. Paul: Eine frische Spritze mit Nadel kostet fünf Tabak, das Gramm Heroin zehn. Ein Gramm Marihuana bekommst du für zwei Tabak, das Stück Valium schon für eines. Der Schmuggel von draußen nach drinnen funktioniert scheinbar reibungslos.
Während also Drogen in den Gefängnissen zum Diskontpreis angeboten werden, sind jedoch Alltagsprodukte wie Duschgel oder Kaffee teuer.
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