Zukunftsvision Wiener Zentralbahnhof: Neuer Stadtteil mit Mini-U-Bahn geplant
- Baustart 2007/08, Fertigstellung 2013 vorgesehen
- GRAFIK: Hier wird der neue Mega-Bahnhof gebaut
Auf dem Gelände des heutigen Wiener Südbahnhofs sollen nicht nur der neue Zentralbahnhof und ein 55 Hektar großes Stadtentwicklungsgebiet entstehen, auch neue Verkehrslösungen sind angedacht. So könnte die Verbindung zum Südtirolerplatz per Mini-U-Bahn, "Cable Liner" (eine Art Standseilbahn) oder mittels Rollbändern überwunden werden. Der Baubeginn für den Bahnhof soll in zwei Jahren erfolgen, die Fertigstellung im Jahr 2013.
Weit sind die Erschließungspläne allerdings noch nicht gediegen, wie sich bei einer Journalisten-Führung von ÖBB und Stadt Wien zeigte. "Bevor wir so was versprechen, müssen wir das noch ordentlich untersuchen", sagte Norbert Steiner, Chef der ÖBB-Bahnhofsoffensive. Er ließ auch durchblicken, dass es ihm weiterhin lieber wäre, die U-Bahn-Linie U2 zusätzlich zur U1 näher an den Bahnhof zu bekommen.
Für Planungsstadtrat Rudolf Schicker (S) und Masterplan-Architekt Albert Wimmer ist die Mini-U-Bahn dagegen durchaus eine realistische Variante. Vor allem die Büro- und Geschäftsbauten im Bereich des heutigen Südbahnhof-Gebäudes sollten davon profitieren. Kostenschätzungen gibt es noch keine, das Geld soll aber jedenfalls von den Investoren der Neubauten kommen, so Schicker.
Bahnhof trägt noch keinen Namen
Nicht ganz einig sind sich Stadt und ÖBB auch beim Namen für den Verkehrsbau. Das Wort Zentralbahnhof behagt beiden Seiten nicht, weil er ja nicht die anderen Bahnhöfe der Bundeshauptstadt ersetzen wird. Die von der Wiener Stadtplanung bevorzugte Bezeichnung "Bahnhof Wien - Europa Mitte" sorgt wiederum bei den Eisenbahnern für gerümpfte Nasen. Im Herbst soll nun nach einem neuen Namen gesucht werden. "Wir wollen das mit einer möglichst großen Öffentlichkeit ausloten", so Steiner.
Wie der Bahnhof selbst (im ÖBB-Jargon "Aufnahmehalle" genant) im Endeffekt aussehen wird, wird sich übrigens erst in rund zwei Jahren zeigen. Derzeit gibt es nämlich erst städtebauliche, aber noch keine architektonischen Planungen dafür. Rundherum sollen jedenfalls Büro-, Geschäfts- und Wohnbauten entstehen, von Norden nach Süden wird ein Park verlaufen. Beim Südtiroler Platz sind Bauhöhen bis zu 100 Meter vorgesehen, nahe des Schlosses Belvedere nur 35 Meter.
Projekt kostet rund 420 Millionen Euro
Die Kosten für den Bahnhof liegen bei rund 420 Mio. Euro. Wien trägt dazu 40 Mio. Euro bei, zusätzlich bringt die Stadt 88,5 Mio. Euro für technische und soziale Infrastruktur im Stadterweiterungsgebiet auf. Erste Baumaßnahmen sollen nach den Wünschen Wiens 2007 starten, für die ÖBB kann es aber auch 2008 werden. Die Inbetriebnahme erster Bahnhofsteile soll 2011 erfolgen. Während der Arbeiten könnten die Endstation der Südbahnzüge vorübergehend nach Wien-Meidling verlegt werden. (apa/red)
