Ermittlungen nach dem Zugsunglück auf der Ostbahn: Eilzug missachtet Halt-Signal!
- "Menschliches Versagen" laut ÖBB die Unfallursache
- BILDER: Güter- & Personenzug zusammengestoßen
·Schweres Zugunglück
in Gramatneusiedl
Zwei Züge kollidiert, vier Schwerverletzte. BILDER
·BILDER: Zugunglück in Gramatneusiedl
Mehrere Verletzte bei Kollision zweier Züge
·Info-Grafik: Zugcrash in Gramatneusiedl
Klicken: Hier kollidierten die beiden Züge
·Die schwersten Zug- Unglücke in Österreich
2. Juli 2005 letzter Crash mit 2 Toten in Salzburg
·2. Juli: Schweres Zug- unglück in Bramberg
BILDER: Bahn-Crash im Oberpinzgau, zwei Tote
Das Zugsunglück auf der Ostbahn in Gramatneusiedl (Bezirk Wien-Umgebung) ist mit ziemlicher Sicherheit auf menschliches Versagen zurückzuführen. Zu diesem Schluss ist am Mittwoch die interne Unfallkommission der ÖBB gekommen. Bisherigen Ergebnissen der Erhebungen zufolge dürfte der Eilzug E 2618 (Pamhagen/Bgld. - Wien-Süd) ein Halt-Signal überfahren haben, teilten sowohl die ÖBB als auch Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich (LKA NÖ), mit.
Die Garnitur war am Dienstag um 11.26 Uhr seitlich mit einem Güterzug kollidiert, der von Kledering nach Bruck a.d. Leitha unterwegs war. Obwohl bei der Karambolage im Bahnhofsbereich von Gramatneusiedl mehrere Waggons umgestürzt waren (drei des doppelstöckigen E 2618, zwei davon zur Gänze, und vier der Gütergarnitur), verlief der Unfall relativ glimpflich. 13 Personen wurden verletzt, vier von ihnen schwer.
Man sei bei dem vorläufigen Untersuchungsergebnis zum Schluss gekommen, "dass alle technischen Einrichtungen voll funktionstüchtig waren und von einem menschlichen Fehlverhalten als Ursache für den Zwischenfall auszugehen ist", hieß es der ÖBB-Aussendung. Aussagen der Mitarbeiter, die sachdienliche Informationen beisteuern konnten, hätten dies auch bestätigt. Das Ergebnis der ÖBB-internen Ermittlungen wurde am Mittwoch der Unfalluntersuchungsstelle im Verkehrsministerium übergeben.
In der Pressemitteilung teilte die ÖBB mit, dass auch die Fahrtenschreiber beider Züge ausgewertet, die Signalisierungsabfolge überprüft und die Mitarbeiter befragt wurden. "Die Auswertung der technischen Einrichtungen hat gezeigt, dass einerseits die Funktionstüchtigkeit gegeben war und andererseits alle Signale richtig gestellt waren und der Güterzug bei seinem planmäßigen Gleiswechsel Vorrang hatte. Der entgegenkommende Eilzug hätte vor dem Halt-zeigenden Signal stehen bleiben müssen."
Der Personenzug war mit 107 km/h unterwegs gewesen. Der Zusammenstoß hatte sich laut ÖBB-Bericht bei einer Geschwindigkeit von rund 70 km/h des Eilzuges und rund 40 km/h des Güterzuges ereignet, wobei der hintere Bereich des Güterzuges vom Eilzug seitlich touchiert wurde. Als der Lokführer des Eilzuges die Gefahrensituation realisierte, habe er eine "sofortige Schnellbremsung veranlasst und dadurch die Geschwindigkeit des Zuges um 37 km/h reduziert".
Am Mittwochvormittag waren die in die Karambolage involvierten Züge bereits von der unmittelbaren Unfallstelle entfernt worden. Die umgestürzten und schwer beschädigten "Wiesel"-Waggons des E 2618 waren wieder aufgestellt. Das Team des Hilfszuges habe in der Nacht durchgearbeitet, berichtete ÖBB-Sprecher Gary Pippan.
Laut ÖBB ist ab Mittwochmitternacht die Freigabe eines Gleises geplant - in den Morgenstunden des Donnerstag soll schließlich der Verkehr in beiden Richtungen wieder planmäßig aufgenommen werden, so Pippan zur APA.(apa/red)
