Neuer Nuntius für Österreich ernannt: Erzbischof Edmond Farhat übernimmt Amt
- Libanese Farhat vertrat bisher den Vatikan in Ankara
- Georg Zur musste das Amt im Februar abgeben
·Benedikt XVI. seit 100 Tagen im Amt
"Habe niemals gedacht, dieses Amt zu erhalten"
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Benedikt XVI. machte Urlaub in Castelgandolfo
Papst Benedikt XVI. hat den aus dem Libanon stammenden Vatikandiplomaten Erzbischof Edmond Farhat (72) zum neuen Apostolischen Nuntius in Österreich ernannt. Die Ernennung des Nachfolgers des deutschen Erzbischofs Georg Zur, der im Februar die Altersgrenze von 75 Jahren erreicht hatte, wurde am Dienstag vom Heiligen Stuhl kundgemacht.
Der neue Nuntius wird sein Beglaubigungsschreiben voraussichtlich Anfang Oktober Bundespräsident Heinz Fischer überreichen, wie Kathpress meldete. Bis dahin bleibe Nuntius Zur im Amt. Der Apostolische Nuntius ist in Österreich traditionell der Doyen des Diplomatischen Corps.
Farhat war bisher Nuntius in der Türkei (in Turkmenien mitakkreditiert). Der Türkei warf er vor, Christen an der freien Ausübung ihres Glaubens zu hindern. Im dem Land gebe es eine "institutionalisierte Phobie vor dem Christentum", sagte der Erzbischof im Juni in einem Gespräch mit der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. Glaubensfreiheit gebe es "nur auf dem Papier". Seine Äußerungen folgten auf die Veröffentlichung eines Sammelbandes mit Texten zu Europa, die Kardinal Joseph Ratzinger verfasst hatte, bevor er zum Papst gewählt wurde. Das Buch enthält starke Bedenken gegen einen EU-Beitritt der Türkei. Die EU-Kommission hatte die Türkei wiederholt aufgefordert, die Lage der nichtmuslimischen Bevölkerungsgruppen zu verbessern.
Edmond Farhat wurde am 20. Mai 1933 in Ain Kfaa in der maronitisch-katholischen Eparchie Joubail (Jbeil) im Libanon geboren. 1959 weihte ihn der damalige maronitische Patriarch von Antiochien zum Priester. 1989 wurde er in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls berufen und zum Titularerzbischof von Joubail (Byblos) ernannt. In der Folge repräsentierte der Erzbischof den Heiligen Stuhl in Algerien, Tunesien, Slowenien und Mazedonien und dann in der Türkei und Turkmenien. Farhat spricht gut deutsch; er wurde in Wien in den Malteser-Ritterorden aufgenommen.
Die nach dem Mönch Maron (5. Jahrhundert) benannten Maroniten stehen seit dem 13. Jahrhundert in voller Kirchengemeinschaft mit Rom. Im 19. Jahrhundert inszenierte die osmanische Obrigkeit unter Einsatz drusischer Milizen eine Verfolgungswelle gegen die Maroniten, die zum Eingreifen der europäischen Mächte, vor allem Frankreichs, aber auch Österreichs, führte.
Von Farhats Vorgängern in Wien wurde einer Papst: 1730 wählten die Kardinäle Lorenzo Corsini (1652-1740) zum Papst, der den Namen Clemens XII. annahm.
Der scheidende Nuntius Georg Zur, in dessen Amtszeit mehrere österreichische Diözesen neu besetzt wurden, stammt aus Sachsen und hatte vor seiner Entsendung nach Wien Ende 2002 den Heiligen Stuhl in Moskau vertreten. Zurs Vorgänger Erzbischof Donato Squicciarini war seit 1989 Nuntius in Österreich.
(apa)
