Dienstag, 19. Juli 2005

Vorwürfe länger bekannt: Aufsichtsrats-chef verteidigt Vorgehen in Infineon-Affäre

  • Kley: "Haben schon länger von Vorwürfen gewusst"

Infineon-Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley hat eingeräumt, schon länger von den Schmiergeld-Vorwürfen gegen den zurückgetretenen Vorstand Andreas von Zitzewitz gewusst zu haben. Gleichzeitig verteidigte Kley die Entscheidung des Kontrollgremiums, Zitzewitz im vergangenen Jahr im Amt zu lassen.

Erstmals brachte Kley die Affäre um Zahlungen im Rahmen des Motorsport-Sponsorings von Infineon in Zusammenhang mit dem Rücktritt von Ex-Konzernchef Ulrich Schumacher Anfang letzten Jahres. Schumacher habe Anfang 2004 Vorwürfe der schweizerischen Beratungsfirma BF Consulting vorgelegt, die sich gegen von Zitzewitz gerichtet hätten, teilte Kley mit. Untersuchungen der Vorwürfe hätten jedoch keine Belege für die Richtigkeit der Anschuldigungen ergeben.

"Solange keine Belege für die Richtigkeit der Behauptungen gegen Herrn Dr. von Zitzewitz vorgelegt wurden, und auch die internen Untersuchungen nichts ergeben haben, konnte der Aufsichtsrat nur zu Gunsten des Beschuldigten entscheiden", erklärte Kley. Im November 2004 hatte Kley der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt, von Vorwürfen gegen einen Infineon-Vorstand zu wissen. Der Name Zitzewitz fiel dabei allerdings nicht.

Hobby-Rennfahrer Zitzewitz
BF Consulting hatte die Motorsport-Aktivitäten von Infineon weltweit organisiert. Nach dem Rücktritt von Schumacher - wie Zitzewitz Hobby-Rennfahrer - hatte sich Infineon aus dem Motorsport-Sponsoring zurückgezogen und den Vertrag mit BF Consulting gekündigt.

Am Wochenende war der für das Speicherchip-Geschäft zuständige Infineon-Vorstand von Zitzewitz zurückgetreten, nachdem Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München gegen ihn bekannt geworden waren. Der Manager steht unter dem Verdacht der Bestechlichkeit, der Untreue und der Steuerhinterziehung. Die Staatsanwaltschaft hatte in diesem Zusammenhang am Freitag die Konzern-Zentrale sowie Büros und Wohnungen durchsucht. Zitzewitz hat sich in der Angelegenheit bislang nicht öffentlich geäußert. BF-Consulting-Chef Udo Schneider sagte am Montag: "Wir haben nie Zahlungen an Doktor von Zitzewitz geleistet, um unsere Verträge verlängert zu bekommen." (apa/red)

19.7.2005 12:22