Montag, 18. Juli 2005

Für Österreich steht viel am Spiel: Pröll
für Änderung der EU-Zuckermarktreform

  • 300 bis 500 Jobs & 10.000 Bauernbetriebe betroffen
  • Brüssel: Rübenbauern protestieren gegen Reform

Landwirtschafts- und Umweltminister Pröll hat am Montag in Brüssel beim Treffen der Agrarminister Änderungen in der geplanten EU-Zuckermarktreform verlangt. "Das, was derzeit vorliegt, wird keine Einigung finden", so Pröll. Für Österreich stehe viel am Spiel: 300 bis 500 Arbeitsplätze und 10.000 Bauernbetriebe seien betroffen. In Summe würden die Rübenbauern jährlich 25 Mio. Euro verlieren.

Aus österreichischer Sicht seien die geplanten Preissenkungen bei Zuckerrüben und Zucker von rund 40 Prozent zu hoch und die vorgesehenen Kompensationszahlungen - 60 Prozent der Einkommensausfälle - zu gering. Die Schmerzgrenze für die Preissenkungen für Österreich hänge laut Pröll von der Höhe der Kompensationen ab.

Mit dem vorliegenden Vorschlag von Agrarkommissarin Fischer-Boel, der eine schrittweise Senkung der Richtpreise für Zucker um 39 Prozent und für Zuckerrüben um 42 Prozent bis vorsieht, würden die Bauern pro Hektar 410 Euro verlieren, so Pröll. Umgelegt auf die 43.000 bis 44.000 Hektar, auf denen in Österreich Zuckerrüben angebaut werden, und inklusive der zu erwartenden Mengenkürzungen würde das einen Einkommensverlust von 25 Mio. Euro bedeuten.

Für die tausenden Rübenbauern, die am Montag in Brüssel gegen die Änderungen des seit 40 Jahren bestehenden Systems aus Quoten, Garantiepreisen und Schutzzöllen protestierten, zeigte Pröll Verständnis. Er habe auch die aus Österreich angereisten Verbandsspitzen getroffen. Pröll hatte sich bereits gegen den Vorschlag des früheren Agrarkommissars Fischler ausgesprochen, obwohl dieser weniger starke Preissenkungen vorsah.

Pröll gab sich dennoch optimistisch, dass eine Einigung bis November gelingen kann, wie dies von der britischen EU-Ratspräsidentschaft angestrebt wird. Dies sei allein wegen der im November anstehenden WTO-Verhandlungen wichtig. Die WTO hat vor wenigen Monaten entschieden, dass die EU-Zuckermarktordnung einen Verstoß gegen die internationalen Handelsregeln bedeutet. (apa)

18.7.2005 15:26