Freitag, 22. Juli 2005

'Meine Tochter war Basis der Entscheidung':
Steffen Hofmann im Talk über sein "Ja" zu A!

  • Über Krankl: "Sehr emotional, ein großer Patriot"
  • PLUS Meinung posten: Kann Hofmann uns helfen?

Steffen Hofmann hat die österreichische Staatsbürgerschaft beantragt und wird künftig für das österreichische Fußball-Nationalteam spielen. In einem ausführlichen Interview mit dem ÖFB spricht der designierte Neo-Teamspieler über seine Entscheidung:

Wann hast du wirklich zum ersten Mal daran gedacht, Österreicher zu werden?

Hofmann: Es war eigentlich ein Kicker-Interview, das ich im September 2004 gegeben habe. Dort ist mir die Frage gestellt worden, ob ich jetzt für Österreich spiele, weil ich eine Österreicherin geheiratet habe. Dadurch ist das ganz erst ins Rollen gekommen, ich habe angefangen, mir Gedanken zu machen – eigentlich haben die mich auf die Idee gebracht!

Wann hast du dich konkret entschieden, die Österreichische Staatsbürgerschaft anzunehmen? Wie ist diese Entscheidung gefallen?

Hofmann: Ich habe diese Überlegung seit dem genannten Interview gehabt und es mir immer weiter ausgemalt, wie es sein könnte, wenn ich das mache. Endgültig entschlossen habe ich mich vor cirka zwei Monaten.

Wie kommt es überhaupt zu der Möglichkeit?

Hofmann: Durch die Hochzeit mit meiner Frau, die Österreicherin ist, im letzten Jahr. Damit hat das ganze eigentlich begonnen. Meine Tochter spielt eine ganz wichtige Rolle.

Deine Tochter ist Österreicherin?

Hofmann: Ja – und meine Tochter ist die Basis meiner Entscheidung, ohne die ich es mir schwer vorstellen hätte können. Natürlich ist die sportliche Perspektive auf jeden Fall vorhanden – die sehr reizvoll ist.

Wer war dir in der Entscheidunsphase wichtig? Mit wem hast du dich beraten - Freunde, Familie, ÖFB, Rapid?

Hofmann: Jeder hat seine eigene Meinung dazu, ich habe mir alles angehört und natürlich gibt es Personen in meinem Leben, die wichtig sind – dazu gehören auf jeden Fall meine Eltern und meine Frau. Wenn meine Frau oder meine Eltern gesagt hätten, mache es auf keinen Fall, dann hätte ich es auch nicht gemacht.

Wie ist dann der erste Schritt gewesen?

Hofmann: Ich habe schon vor einiger Zeit Gespräche mit Hans Krankl geführt und dann ist das ganze über die Schiene von Generalsekretär Alfred Ludwig gelaufen. Die Gespräche haben mich davon überzeugt, dass der ÖFB die richtige Wahl ist. Man hat sich wirklich seriös und ernsthaft um mich bemüht.

Wann möchtest du für die Österreichische Nationalmannschaft spielen?

Hofmann: Voraussetzung ist natürlich die Einberufung des Teamchefs! Ich habe lange über den Zeitpunkt nachgedacht, wann ich das erste Mal spielen möchte oder wann ich die Entscheidung überhaupt bekannt gebe. Für mich gab es nur zwei Möglichkeiten – entweder jetzt, sodass ich gegen Schottland schon spielen könnte, wenn mich der Teamchef einberuft. Die andere Möglichkeit wäre erst im neuen Jahr. Dann ist die WM-Qualifikation vorbei, und die Konzentration gilt dann zwei Jahre lang der UEFA EURO 2008. Ich habe den etwas schwierigeren Weg gewählt und möchte jetzt schon dabei sein und gegen Schottland und im Herbst in der WM-Qualifikation spielen. Es macht wenig Sinn gegen Polen zu spielen ohne vorher mit der Mannschaft gespielt zu haben. Mit Sicherheit ist das nicht der einfachere Weg!

Der Druck ist natürlich hoch!

Hofmann: Der Druck auf meine Person ist dann natürlich da – es gibt viele Erwartungen.

Der Teamchef versucht gerade in dieser Hinsicht bereits den Druck von dir zu nehmen – er sagt: „uns ist natürlich sehr geholfen, speziell wenn Steffen Hofmann in der Form ist, in der er sich zuletzt präsentiert hat“, aber jetzt zu sagen „wir schaffen die WM-Qualifikation bestimmt oder unsere Chancen erhöhen sich“, wäre falsch und gegenüber Steffen Hofmann nicht fair!

Hofmann: Es wird für mich nicht möglich sein, gleich Bäume auszureißen, da stimme ich Hans Krankl zu. Es ist gut, dass ich die meisten Spieler kenne, ob als Mitspieler oder Gegenspieler – es macht die ganze Sache etwas einfacher!

Wie ist dein Verhältnis zum Teamchef?

Hofmann: Ich habe zwei Gespräche mit ihm geführt und ansonsten kenne ich ihn eigentlich mehr aus den Medien. Hans Krankl ist mit Sicherheit ein sehr emotionaler Mensch und wahrscheinlich ein sehr, sehr großer Patriot – neben meiner Frau einer der größten!

Als die Spekulationen in den Medien aufgetaucht sind – haben die Mitspieler gesagt: „Steffen komm zu uns, du musst das machen, du hast die Chance!“

Hofmann: Es gab solche und solche – es gab welche die gesagt haben: er soll sich das gut überlegen – für Deutschland zu spielen, dass ist schon eine Riesenchance. Aber es hat sich mit Sicherheit niemand so viel Gedanken darüber gemacht wie ich! Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass es der Beste Weg ist.

Hast du jetzt mit Mitspielern gesprochen und wie haben die reagiert?

Hofmann: Mit Helge Payer habe ich schon darüber gesprochen – es ist ja kein wirklich neues Thema, die meisten wissen, dass es Gespräche gibt bzw. dass meine Tendenz zu Österreich ging. Es wird daher auch in der Mannschaft keine allzu großen Überraschungen geben.

Freuen sich deine Mitspieler mit dir bzw. auf dich?

Hofmann: Helge freut sich auf jeden Fall, und ich bin sicher, die anderen auch.

Wie hat deine Frau reagiert, als du deinen Entschluss gefasst hast?

Hofmann: Sie weiß schon länger, dass die Tendenz ganz eindeutig in Richtung Österreich ging – irgendwann habe ich gesagt „JA, ich mache es sicher“, da hat Sie sich schon sehr gefreut. Sie hat mich nie wirklich stark beeinflusst hat, sondern die Entscheidung lag bei mir.

Dein Vater stellt die patriotischen Gefühle hinten an – sein Sohn soll sportlich das Beste erreichen?

Hofmann: Natürlich wäre es für viele in Deutschland schön, wenn ich für Deutschland spielen würde – das ist ganz normal – für mich ist eben sportlich gesehen Österreich der bessere Weg.

Wie hat dein Vater auf die Entscheidung reagiert?

Hofmann: Mein Vater war einer der ersten, der gesagt hat dass ich es machen soll – meine Mutter würde mich natürlich gerne wieder in Deutschland sehen, da Sie mich sehr vermisst. Mittlerweile sagt aber auch sie, dass es für mich einfach das Beste ist. Ich musste meiner Mutter versprechen, sollten wir gegen Deutschland spielen, müssen wir gewinnen!

Es gab Spekulationen um die Persönlichkeitsrechte des Steffen Hofmann in Bezug auf das Nationalteam – hast du jetzt eine Sonderregelung getroffen?

Hofmann: Ich habe nie eine Sonderregelung gefordert, Wenn ich einberufen werde, dann bin ich dabei wie jeder andere auch!

Da hast die längste Zeit deines Lebens in Deutschland Fußball gespielt – man träumt natürlich davon vielleicht auch bei einem mehrfachen Weltmeister in der Auswahl zu stehen – wann hast du mit diesem Gedanken mehr oder weniger abgeschlossen? Ich spreche auch die Aussage von „Jogi“ Löw im Zuge des Confederation Cups an.

Hofmann: Ich mache das ganze nicht, weil ich auf Deutschland sauer bin sondern weil ich glaube, dass es für mich der bessere Weg ist. Natürlich war teilweise ein Enttäuschung dabei wenn ich nicht berücksichtigt wurde – speziell wenn ich dachte, jetzt habe ich mir eine Chance verdient – ich bin niemanden böse, sondern freue mich jetzt auf die Aufgabe.

Hattest du in den letzten drei Monaten persönlichen Kontakt zu einem der drei Teambetreuer in Deutschland?

Hofmann: Nein, es gab keinerlei persönlichen Kontakt zur Deutschen Nationalmannschaft!

Lernst du schon die Nationalhymne?

Hofmann: Meine Frau hat mir erst vor ein paar Tagen gesagt, ich muss jetzt anfangen, die Nationalhymne zu lernen – ich werde mich natürlich bemühen! Aber Gott sei dank scheint die Nationalhymne auf der Anzeigetafel auf und am Anfang schaue ich halt dort hin!

Was hast du früher mit Österreich assoziiert, wie hat das Bild von Österreich ausgesehen?

Hofmann: Jeder weiß, dass Österreich ein wunderschönes Land ist – dass die Menschen sehr nett sind und einen gewissen Schmäh haben und auch sehr gemächlich sind.

Was liebst du besonders an Österreich?

Hofmann: Genau das – das alles eher ruhig zugeht – es ist schön, manchmal aber wieder zu ruhig! Ich mag die Berge, mag den Wein – ich weiß nicht, ob es einen Fleck in Österreich gibt, der nicht wirklich schön ist!

Dein Lieblingsplatz?

Hofmann: Mein Lieblingsplatz in Österreich ist das HANAPPI-STADION!!!

Gibt es etwas typisch-österreichisches, das du besonders gerne hast?

Hofmann: Meine Frau und mein Kind!

Wirst du Österreicher weil du in der Nationalmannschaft spielen willst, oder weil du dich auch diesem Land sehr verbunden fühlst?

Hofmann: Ich bin den Menschen hier sehr dankbar, ich bin super aufgenommen worden, ich habe nie große Probleme gehabt. Es gibt zwei Hauptgründe dafür, die Österreichische Staatsbürgerschaft anzunehmen: Ich freue mich unheimlich darauf, die gleiche Nationalität wie meine Tochter zu haben, und natürlich hat mich das ehrliche Bemühen des ÖFB und seiner Verantwortlichen schließlich restlos überzeugt.

Wie siehst du deine Zukunft auf Klubebene?

Hofmann: Im Moment ist es schwierig, ich möchte mit Rapid, wenn es geht, in die Champions League kommen. Ich bin dem Verein sehr verbunden und auch sehr dankbar. Ich muss aber natürlich auch darauf achten, dass meine persönlichen Wege erfolgreich weitergehen – irgendwann wird es auch den Schritt weg von Rapid geben!

22.7.2005 10:53