Lance Armstrong nach Karriere-Ende: "Ich werde nicht nach Aufmerksamkeit schreien"
- Siebenfacher Champion will in den Hintergrund treten
- US-Radstar steht im Interview Rede und Antwort
·Armstrong zum 7. Mal
Tour de France-Sieger
Triumph vor Basso und Ullrich, 26. Totschnig
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Lance Armstrong siegt. Ullrich 3., Totschnig 26.
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Sieg nach 220 km mit einer Minuten Vorsprung
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Historischer Rad-Erfolg bei der Tour de France
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Die Reaktionen auf Georg
Totschnigs Etappensieg!
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"Der Sieg wiegt alles auf, was ich investiert habe"
Lance Armstrong trat im erwarteten Stil von der Bühne des professionellen Radsports ab. Er gewann in Saint-Etienne das Zeitfahren und fuhr am Sonntag zum siebenten Mal in Folge in Paris als Sieger der Tour de France ein. Noch einmal stand der Rekord-Sieger Rede und Antwort - Aufgezeichnet von der Sport-Information Zürich (SIZ).
Frage: Lance Armstrong, herzliche Gratulation zum siebenten Sieg. Sie müssten jetzt im siebenten Himmel sein?
Armstrong: "Ich glaube nicht, dass meine sportlichen Erfolge meinen Weg in den Himmel einfacher machen werden. Aber es ist schön, eine Karriere mit einem Sieg zu beenden. Ich hatte den Wunsch in mir, als Sportler auf dem Höhepunkt abzutreten."
Frage: Im Vorfeld hatten Sie erklärt, dass Sie den Sieg unbedingt für Ihre Kinder erringen möchten.
Armstrong: "Das sind die drei wichtigsten Menschen in meinem Leben. Ich bin nicht sicher, ob sie verstehen, wie ihr Vater sein Geld
verdient. Vielleicht Luke, er ist schon sechs Jahre alt. Ich wollte in Paris in Gelb einfahren. Sie sollten ihren Vater als Champion abtreten sehen. Es ging nicht um Geschichte, Geld oder ein Vermächtnis. Drei kleine Leute hier zu haben, die sich hoffentlich an ein letztes Gelbes Trikot erinnern können, das war mein Antrieb."
Frage: Hatten Sie, je näher das Ende der Tour kam, ihren Entscheid
eigentlich nie bereut?
Armstrong (lacht): "Um ehrlich zu sein, bin ich mehr denn je von
meiner Entscheidung überzeugt. Ich hatte eine unglaubliche Karriere.
Ich durfte 14 Jahre als Profi fahren, ich durfte große Rennen vor meiner Krankheit gewinnen, ich durfte nach meiner Krankheit die Tour sieben Mal gewinnen. Ich habe mehr Geld verdient, als ich mir vorstellen konnte. Das macht mein Leben und das meiner Kinder in der nächsten Zeit viel komfortabler. Es gibt keinen Grund weiterzumachen."
Frage: So wie die Tour jetzt gelaufen ist, haben Sie nicht das Gefühl, Sie könnten im nächsten Jahr den achten Sieg holen?
Armstrong: "Das wäre nicht fair. Niemand weiß, was passieren wird. Ich werde älter. Jüngere Fahrer machen große Fortschritte, während man selber einen Schritt zurück macht. Vielleicht würde ich im
nächsten Jahr die Tour mit fünf Minuten verlieren. Wir werden es nie
wissen. Dem Gewinner des nächsten Jahres zu sagen, er sei glücklich, dass ich nicht dabei war, wäre nicht fair."
Frage: Sie haben in dieser Tour weniger angegriffen.
Armstrong: "Es stimmt, ich habe weniger attackiert in dieser Tour. In diesem Sport ist es aber schon eigenartig. Wenn man angreift und zu viele Etappen gewinnt, gilt man als arrogant. Gewinnt man nicht
genug, strecken sie dir ein Mikrofon ins Gesicht und sagen, er hat keinen Glanz. Ich wollte hier nur eine Sache: Die Gesamtwertung gewinnen. Johann (Bruyneel) und ich saßen einmal zusammen und berieten, wie viele Angriffe es braucht, um die Tour de France zu gewinnen. Einen! Einen Angriff und zwei gute Zeitfahren. Wir hielten uns an dieses Protokoll - und es funktionierte."
Frage: In all den Jahren bezeichneten Sie stets Jan Ullrich als
ihren härtesten Rivalen.
Armstrong: "Ich habe nie Unsinn erzählt, wenn ich sagte, er ist der gefährlichste Fahrer im Feld. Er kann die Tour noch einmal gewinnen,
mehr als einmal sogar. Aber er müsste besser bereit sein. Am Ende der
Tour macht er immer einen sehr starken Eindruck. Er verliert das Rennen immer in der ersten Hälfte. Es ist vielleicht nur eine Frage von einem oder anderthalb Kilo weniger am Start. Eine etwas bessere Kondition, eine etwas bessere Vorbereitung - und er gewinnt. Ich meine dies nicht als Kritik. Aber wenn er in unserem Team wäre, wären dies meine ersten Worte an ihn."
Frage: Wir sind besorgt um Sie, was machen Sie nun im nächsten Juli?
Armstrong: "Ich weiß es noch nicht. Ich werde sicher bei der Tour dabei sein. Aber es ist nicht meine Absicht, eine öffentliche Person
zu bleiben. In den nächsten Jahren brauche ich Ruhe, Frieden und
Privatsphäre. Ich werde im nächsten Juli vermutlich im Team sein. Ich werde Johann bitten, dass ich im Auto mitfahren darf. Aber ich werde mehr im Hintergrund sein."
Frage: Ihr Name ist Synonym geworden für Durchhaltewillen. Viele Leute wollen Sie deswegen sehen oder berühren. Sie kommen nicht zur Tour wegen dem Radsport, sondern wegen Ihnen. Haben Sie das wahrgenommen?
Armstrong: "Das ist nun einmal Teil davon, wenn man diesen Event gewinnt. Und es ist Teil meiner Persönlichkeit, eine schwere Krankheit überlebt zu haben. Hätte ich keinen Krebs gehabt und hätte
die Ping-Pong-WM gewonnen, es hätte nie diesen Trubel gegeben. Aber
ich weiß auch, dass Sportler sehr schnell vergessen werden. Es wird in ein oder zwei Jahren ein neues Gesicht und eine neue Geschichte geben. Ich stehe mit beiden Füßen auf dem Boden und weiß, dass meine
Zeit um ist. Ich schreie nicht nach Aufmerksamkeit und Autogrammen."
Frage: Wie sehen denn nun Ihre nächsten Tage aus?
Armstrong: "Mit den Kindern, Sheryl und einigen engen Freunden werden wir in den Süden Frankreichs fliegen und das Leben eine Woche genießen. Wir werden am Strand liegen, Wein trinken, nicht auf dem Rad sitzen, viel essen, im Pool schwimmen und vor allem uns keine Sorgen machen. Dieser Job ist stressig und dieser Event ist stressig. Die nächste Woche wird hoffentlich eine Vorschau, wie mein Leben in den kommenden 50 Jahren sein wird."
Frage: Sie sind ein geborener Wettkämpfer. Wie werden Sie diesen Trieb ausleben?
Armstrong: "Ich kann nicht versprechen, dass ich nicht bei einigen Querfeldeinrennen, Mountainbikerennen, Triathlons oder 10-km-Läufen auftauchen werde. Ich werde sicher nicht herumsitzen und ein fettes Faultier werden. Vielleicht werde ich in einigen Jahren Marathon
laufen, aber nicht um zu gewinnen."
Frage: Gibt es vielleicht doch noch eine Tour mit Ihnen, eine
Sheryl-Tour?
Armstrong: "Das müssen Sie Sheryl fragen. Ich würde schon für sie arbeiten, aber sie sagte, ich sei zu teuer. Sie ist wunderbar. Es waren keine einfachen Jahre für sie. Ich kann ihr nicht genug danken. Diese Frau lebte drei Wochen fast wie ein Rennfahrer. Ich schulde ihr sehr viel. Wenn sie mich also brauchen sollte, um einige Gitarren zu bespannen, würde ich das sehr gerne machen. Ich bin nun in Pension, ich habe nichts zu tun. Wieso also nicht auf eine Rock-n'Roll-Tour gehen, Bier trinken und Party feiern..."
(apa/red)
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