Donnerstag, 21. Juli 2005

Die Rückkehr des Alexander Zickler: Von Bayerns Tribüne zum Salzburger Matchwinner

  • Doppelpack des Deutschen gegen SV Mattersburg
  • Mit 31 Jahren will Zickler noch einmal ins DFB-Team

Er ist nach Salzburg gekommen, um sich nochmals fußballerisch zu beweisen. Er hat einen leistungsbezogenen Einjahresvertrag unterschrieben und am Mittwoch beim 4:0 (0:0)-Sieg von Red Bull Salzburg gegen Mattersburg mit zwei Treffern gut für sein Giro- und Torkonto gearbeitet. Ex-Bayer Alexander Zickler - mit der Erfahrung von 232 Spielen und 54 Toren in der deutschen Bundesliga - feierte einen Einstand nach Maß beim Heimauftakt des neuen Mozartstädter Starensembles.

Zum Saisonstart beim GAK in der 62. Minute für Pichorner eingewechselt, setzte Trainer Kurt Jara im ersten Heimspiel von Beginn an auf den 31-Jährigen, der mit einem Doppelpack (59.,63.) die Megashow im neuen Stadion Wals-Siezenheim auch zum Fußballfest werden ließ. "Uns wurde eine Show geboten, und wir haben auch versucht, das umzusetzen. Die ganze Mannschaft hat sehr, sehr gut gespielt. Wir sind zu einer Einheit zusammen gewachsen, haben uns gefunden. Ich glaube, die Mannschaft ist schon sehr homogen und alle ziehen an einen Strang", stellte Zickler das (in Graz noch nicht vorhandenen) Kollektiv in den Vordergrund.

Speziell in der zweiten Hälfte funktionierte das Zusammenspiel sehr gut, doch schon in den ersten 45 Minuten hatte Zickler (gesamt sechs Torschüsse in 84 Minuten) die Chance aufs Tor: "Wir waren aber zu defensiv, in der Pause hat uns der Trainer gesagt, nur nicht die Geduld verlieren." Und darin hat Zickler in Anbetracht der letzten drei Saisonen seiner zwölf Jahre beim FC Bayern München, mit dem er sieben Meistertitel holte, Übung: "Meine Familie und Freunde haben mir geholfen, diese Zeit durchzustehen. Es hat sich ausgezahlt, ich hoffe, dass es so weiter geht", bedankte sich Salzburgs neue Nummer sieben.

Leidensweg mit Beinbrüchen und einem Tunor
Das Karriereende hatte ihm gedroht. Drei Beinbrüche setzten Zickler zweieinhalb Jahre außer Gefecht, dazu kamen eine Schilddrüsen- und eine Tumoroperation (gutartig). Im Jänner 2005 kehrte er zurück, wurde in der Frühjahrsmeisterschaft aber nur einmal eingewechselt. Von der Bayern-Ersatzbank zum Matchwinner in Salzburg.

Und von fehlender Spielpraxis war am Mittwoch nichts zu bemerken, der Blondschopf mit dem Potenzial zum Publikumsliebling begeisterte auch Salzburg-Berater Franz Beckenbauer. "Ich bin froh, wenn ich Zickler wieder laufen sehe, denn bei den Bayern war er sehr viel verletzt." Und auch Red-Bull-Boss Didi Mateschitz fand bei der anschließenden After-Show-Party im Hangar 7 nur lobende Worte für den Deutschen, der einer von 14 Neuverpflichtungen beim Meisterschaftsneunten 2004/2005 ist.

"Dann wollen wir auch international Gas geben"
Zickler ist "von der Geschichte in Salzburg" überzeugt. "Jetzt geht es einmal darum, dass die Mannschaften in Österreich wissen, dass mit uns zu rechnen ist. Wenn das klappt, dann wollen wir auch international Gas geben", meinte er am Mittwoch.

Aber nicht nur der Europacup, auch das Nationalteam ist für ihn noch ein Ziel. "Ich muss mich vor keinem verstecken. Und ich wäre schon gerne mal bei einem großen Turnier dabei. Es ist noch knapp ein Jahr Zeit - mal schauen, ob es reicht", hatte der zwölffache DFB-Nationalteamspieler Anfang Juni in einem Interview mit dem Fachmagazin "kicker" gemeint. Die WM 2002 in Südkorea und Japan verpasste er wegen des Knochentumores im rechten Bein.

(apa)

21.7.2005 13:23