Der stille Genießer: Tokic konnte sich über sein Siegestor nicht 100-prozentig freuen
- Zaubertor des Neo-Austrianers sorgte für drei Punkte
- Schachner über Tokics Spielberechtigung säuerlich
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Seit neun Liga-Spielen hat es zwischen FK Austria Magna und Liebherr GAK bzw. GAK und Austria keinen Heimerfolg mehr gegeben, dann wechselte ein Spieler zum Gegner und beendete mit dem Siegestor zum 3:2 im Horr-Stadion diese Serie. Mario Tokic, der vier Jahre lang den Roten Dress getragen und erst am Montag die Freigabe erhalten hatte, avancierte am Mittwoch im Schlager der zweiten Runde in der T-Mobile-Bundesliga zum violetten Matchwinner.
In dem Märchen, das so nur der Fußball schreibt, notierte man die 71. Minute: Der aufgerückte Tokic nahm aus 18 m mit dem Außenrist Maß und zirkelte in Ronaldinho-Manier quasi aus dem Stand den Ball ins linke Kreuzeck! Nach dem Schlusspfiff hallte es durch die Austria-Kabine: "Mario Tokic Fußball-Gott". Der Held des Abends feierte sein violettes Pflichtspiel-Debüt hingegen ganz still und bescheiden, fand kaum Worte. Zuerst kam ihm nur ein "unglaublich" über die Lippen.
"Über ein Tor gegen meinen Ex-Klub kann ich mich nicht 100-prozentig freuen", meinte der Kroate etwas später fast mit entschuldigender Stimme. Im Gegensatz zu seinem Umfeld hatte er unmittelbar nach seinem "Zaubertreffer" daher auch gar nicht ausgelassen gejubelt. Der Innenverteidiger gestand, dass er nicht erwartet hatte, seine Austria-Premiere in der Liga ausgerechnet gegen seine früheren Kollegen zu geben. Aber es sei ohnehin nicht wichtig, wer die Tore schieße.
"Wichtig ist vielmehr, dass wir drei Punkte geholt haben", stellt Tokic nicht sich, sondern die Mannschaft in den Mittelpunkt. Austrias Teammanager Peter Stöger war mit dem Einstand von Tokic, der mit dem zweiten Debütanten Delano Hill erstmals das zentrale Verteidiger-Paar gebildet hatte, zufrieden. "Für's erste Mal ist es relativ rund gelaufen." Kapitän Ernst Dospel, auf der rechten Seite Nebenmann von Tokic und Torschütze zum 2:2, merkte an: "Gegen Admira hat der Sturm die Tore gemacht, nun wir. Wenn's so weitergeht, habe ich nicht dagegen."
Schachner: "Haben schon genug für die Austria ausgebildet"
GAK-Trainer Walter Schachner hatte die Entscheidung seines Arbeitgebers, Tokic nach Wien ziehen lassen zu müssen, so kommentiert: "Frank Stronach und mein Präsident Harald Sükar haben sich geeinigt, es wird schon gepasst haben", meinte der Steirer und fügte mit einem gewissen Unterton hinzu: "Den entscheidenden Treffer durch einen Ex-Spieler von uns erhalten zu haben, tut ein bisschen weh. Ich hoffe, einige Spieler bleiben beim GAK. Wir haben schon genug für die Austria ausgebildet."
Die Wiener hatten schon ein paar Mal versucht, Tokic an den Verteilerkreis zu lotsen. "Mario ist seit vier Jahren einer der besten Legionäre, die Austria ist eh spät draufgekommen." Vor Tokic, der für 650.000 Euro plus Einigung auf höchster Ebene übersiedelte, hatte auch schon Libor Sionko den Weg von Graz nach Wien gefunden. Und Nastja Ceh, hinter dem zuerst die Athletiker hinterher waren, wurde während der Sommerpause dem GAK vor der Nase weggeschnappt.
(apa)
