Aufs Treppchen fehlte über halbe Sekunde: Statt Medaille nur Platz sieben für Rogan
- Ratlos: "Dachte, dass noch der Turbo kommt"
- Olympiasieger Peirsol wieder nicht zu schlagen
Das war nicht das Gelbe vom Ei. Markus Rogan hatte sich für sein drittes WM-Finale über 100 m Rücken mehr vorgenommen als nur Rang sieben, in 54,81 Sekunden blieb der 23-Jährige am Dienstag (Ortszeit) in Montreal auch mit der Zeit hinter seinen Erwartungen. US-Titelverteidiger und Weltrekordler Aaron Peirsol feierte in 53,62 einen sicheren Sieg, sein Landsmann Randall Bal (54,02) und der Ungar Laszlo Cseh (54,27) kamen auf die Plätze.
Nach dem Anschlag schlug Rogan mit der rechten Hand verärgert ins Wasser. Was da an der Anzeigentafel stand, gefiel ihm gar nicht. "Die anderen waren heute stark und ich weniger", erklärte er in einer ersten Reaktion. "Aber das war ja langsamer als im Semifinale, obwohl ich diesmal besser vorbereitet war. Das verstehe ich nicht und das ärgert mich."
Als der SV-Schwechat-Star nach 50 Metern nur an siebenter Stelle gelegen war, hatte man sich noch keine Gedanken zu machen. Im Olympia-Finale war er ja sogar vom achten Rang aus noch zu Silber geprescht. "Ich hab' mir auch hier gedacht, dass nach 75 Metern noch der Turbo kommt. Es hätte schon schneller sein sollen. Okay, es ging eben nicht schneller, aber wenn man im Finale schwimmt, macht es halt keinen Spaß, Siebenter zu werden."
Rogan äußerst selbstkritisch
Am ganzen Ablauf seines Rennens hatte der Europameister etwas zu bekritteln, vom Anfang bis zum Ende. "Der Start war nicht perfekt und das Auftauchen war nicht perfekt. Die ersten 25 waren schlecht, die Wende war schlecht und der Anschlag war auch schlecht. Gut war nur die Ausdauer." Das ist freilich eine für die 200 m Rücken nicht unwesentliche Komponente.
"Meine Form passt ja. Und ich hoffe, dass das, was mir an Schnelligkeit fehlt, ich mehr an Ausdauer habe." Nur der Rückstand auf Peirsol bereitete Rogan mehr Kopfzerbrechen als ihm lieb war. Der US-Amerikaner ist ja im Grunde über die doppelte Distanz noch viel mehr zu favorisieren. Rogan: "Wenn ich nur ein bisschen schwächer als Aaron gewesen wäre, wäre das ja in Ordnung. Aber 1,2 Sekunden sind zu viel."
Der Kurzbahn-Europarekordler hat jetzt auf seiner Parade-Strecke mehr Druck als er ihn sich ohnehin schon gemacht hatte, und das weiß er auch. Rogan hat ja stets gesagt, enttäuscht zu sein, wenn es zu keiner Medaille reicht. Es wird interessant, wie der erfolgsverwöhnte OSV-Star auf diese für ihn ungewohnte Situation reagiert. Michael Phelps hat es nach seinem Desaster über 400 m Kraul vorgezeigt, indem er Gold über 200 m Kraul folgen ließ.
Gute Zeit für Jukic trotz Ausscheidens
Europameisterin Mirna Jukic ist im WM-Semifinale über 100 m Brust ausgeschieden, war aber trotzdem mit sich sehr zufrieden. Als Folge ihres elften Rangs auf der schwierig zu schwimmenden Distanz geht die 19-Jährige nun voll Selbstvertrauen in die Konkurrenz über 200 m Brust am Donnerstag/Freitag. Da wird sie zu den Medaillen-Anwärterinnen zählen.
"Eine 1:08-er-Zeit bin ich auf dem Hunderter ja schon eine Ewigkeit nicht geschwommen", freute sich Österreichs "Sportlerin des Jahre 2003" über ihre Verbesserung gegenüber dem Vorlauf um neun Zehntel Sekunden auf 1:08,90 Minuten. Das war ihre beste Marke seit dem WM-Finale 2003 in Barcelona, damals war sie noch um 14/100 schneller gewesen. Ihren vom 10. Juni 2003 datierenden österreichischen Rekord verfehlte sie diesmal um lediglich 28/100.
Den Leistungssprung gegenüber dem Vormittag verdankte sie u.a. einer Steigerung bei der Technik. "In der Früh war es auch die Nervosität. Trotzdem bin ich überrascht, dass ich jetzt diese Zeit geschafft habe. Aber ich habe mir gesagt: 'Zum Verlieren hab' ich ja nichts'. Jetzt kann ich für die 200 m zuversichtlich sein."
(apa/red)
