Mittwoch, 20. Juli 2005

Schauer über die Zielsetzung für die WM: "Ein bis zwei Medaillen wären ein Riesenerfolg"

  • Zwischenbilanz der 14-monatigen Präsidentschaft
  • "Gesehen wie man Schwimmen inszenieren kann"

Der 58-jährige Paul Schauer erlebt soeben seine ersten großen Weltmeisterschaften als Präsident des Österreichischen Schwimm-Verbandes (OSV). Der Geschäftsführer der Werbegesellschaft OmniMedia trat dieses Amt am 22. Mai 2004 mit großen Ambitionen an. Im Interview mit der Austria Presse Agentur nimmt Schauer zu seinen Erwartungen von den Titelkämpfen in Montreal, zu dem in seiner Amtszeit bisher Erreichten sowie zu Zukunftsthemen Stellung.

Frage: Die Schwimm-Bewerbe bei der WM in Montreal stehen bevor. Welche Erwartungen haben Sie vom österreichischen Team?
Schauer: "Das Ziel ist, so viele wie möglich in die Endläufe zu
bringen. Jeder Finalplatz ist ein schöner Erfolg. Aber die
Gesetzmäßigkeiten sind bei einer WM andere als bei Olympischen
Spielen. Das Starterfeld ist größer und die Spitze dichter. Und die
Erwartungen können auch nicht so wie bei einer EM sein. Wenn wir in
Montreal ein, maximal zwei Medaillenplätze holen, wäre das ein
Riesenerfolg."

Frage: Der Österreichische Verband hat für die WM erstmals
Hoffnungsträger-Limits angesetzt. Hätte es die nicht gegeben, wäre
das Montreal-Team wesentlich kleiner. Nur fünf Aktive haben die Norm
der allgemeinen Klasse bis zum Limit-Schluss erbracht. Ist das nicht
ein Rückschritt?
Schauer: "Mit Judith Draxler und Petra Zahrl sind ja zwei
Leistungsstützen nicht mehr dabei. Und bei den Hoffnungsträger-Limits
geht es nicht darum, die Mannschaft aufzufüllen. Die Jungen sollen
die Gelegenheit bekommen, internationale Luft zu schnuppern und sich
in Richtung Olympia in Peking zu entwickeln. Ich glaube, das ist
durchaus zukunftsweisend."

Frage: Bei ihrem Amtsantritt wollten Sie eine Erlebniswelt schaffen. Wie sieht da ihre Zwischenbilanz aus?
Schauer: "Da ist ein Gutteil schon gelungen. So hat man etwa bei der Kurzbahn-EM in Wien auch international gesehen, wie man Schwimmen inszenieren kann. Und man interessiert sich auch mehr für das Schwimmen. Es ist gelungen, es ein bisschen stärker zu positionieren. In der öffentlichen Wahrnehmung war die EM sehr produktiv."

Frage: Welche Ziele sehen Sie in Ihrer bisherigen Amtszeit als schon erreicht an?
Schauer: "Da gibt es einmal die Schwimm-Zeitschrift 'Pool'. Die
Sportler können ordentlich verdienen, indem der Kopfsponsor frei
gegeben wurde. Das war vor einem Jahr meine Absicht. Dann sind da die
Hoffnungsträgerlimits. Und wir sind der erste Verband Europas, der
die Badekleidung frei gegeben hat. Wir haben neu einen
Mannschaftsarzt und mit Erima auch einen Ausstatter für die
Überkleidung."

Frage: Wie schätzen sie die internationale Positionierung des
österreichischen Schwimmsports ein?
Schauer: "Unsere strukturellen Änderungen werden sogar in
Deutschland schon diskutiert. Ich habe den Eindruck, dass es auch auf
Ebene des Weltverbands FINA gesehen wird. Dort hat Österreich einen
guten Stellenwert."

Frage: Wie soll der österreichische Schwimmsport in drei, wie in
sieben Jahren da stehen?
Schauer: "Bei Olympia in Peking ist es mein Ziel, dass es den
dritten österreichischen Schwimm-Olympiasieger oder -Olympiasiegerin
gibt. Wenn das über ein vernünftiges Marketing-Konzept in den
Regionen und mit infrastruktureller Hilfe gelingt, dann läuft es auch
in Richtung London 2012 gut."

(apa)

20.7.2005 15:09