Sonntag, 24. Juli 2005

Tsunami-Warnung im Indischen Ozean: Starkes Erdbeben löste Flutwellen-Alarm aus

  • Keine Berichte über Verletzte und Schäden
  • Menschen in betroffenen Gebieten in Panik

Sieben Monate nach den verheerenden Flutwellen im Indischen Ozean ist am Sonntag nach einem starken Erdbeben vor der indischen Ostküste vorübergehend Tsunami-Alarm herausgegeben worden. Thailand warnte zunächst vor einem neuen Tsunami und ordnete die Evakuierung von Tausenden Menschen in sechs südlichen Küstenprovinzen an - darunter auch die Touristen-Insel Phuket. Später hob die Regierung in Bangkok die Warnung wieder auf.

Die zu Indien gehörenden Nikobaren waren um 17.42 Uhr MESZ durch ein schweres Beben erschüttert worden. Die Angaben zur Stärke des Bebens variierten leicht: Während die thailändischen Behörden von 7,3 auf der Richter-Skala sprachen, bezifferte das Straßburger Observatorium die Stärke auf 7,2; das US-Zentrum für geologische Studien (USGS) gab die Stärke mit 7,0 an. Auf der Website des GeoForschungsZentrums in Potsdam war von 6,5 auf der Richter-Skala die Rede.

Das Beben ereignete sich in einer Tiefe von zehn Kilometern. Das Epizentrum lag rund 420 Kilometer südlich des Hauptortes der Andamanen und Nikobaren, Port Blair, und rund 440 Kilometer nordwestlich von Banda Aceh auf der indonesischen Insel Sumatra. Die Erdstöße waren noch deutlich in Madras (Indien) und Phuket zu spüren.

Die indischen Behörden auf der Inselkette gaben bekannt, für das Archipel bestehe keine Gefahr einer Flutwelle. Der oberste Verwalter der Inseln sagte: "Wir haben Polizeiberichte von allen bewohnten Inseln. Es hat keine Verletzten und keine Schäden gegeben." Ein Polizeivertreter sagte: "Das Beben war auf allen Inseln der Andamanen- und Nikobaren-Kette zu spüren." Das Archipel besteht aus mehr als 550 Inseln. In der Stadt Port Blair herrschte Panik. Hunderte Menschen rannten aus ihren Häusern, um offene Plätze zu erreichen.

In der indonesischen Provinz Aceh brach offenbar trotz des Bebens keine Panik aus. Seit Dezember ereigneten sich dort zahlreiche Nachbeben. Auch in Sri Lanka sahen die offiziellen Stellen keine Gefährdung. Es gebe keinen Anlass für eine Warnung, erklärte ein Behördenvertreter in Colombo.

In Thailand hatten alle Fernsehstationen eine Mitteilung des Katastrophen-Warn-Zentrums verbreitet: "Es gibt die Möglichkeit, dass ein Tsunami eintreten kann." In einer später ebenfalls im Fernsehen verbreiteten Mitteilung hieß es allerdings: "Wir haben keinen Tsunami entdeckt, der Menschenleben gefährden oder Eigentum beschädigen könnte. Daher heben wir den Alarm wieder auf."

Bei den Flutwellen nach dem Seebeben der Stärke 9 am 26. Dezember waren rund 220.000 Menschen getötet worden. Unter den Opfern waren auch 75 Österreicher - 15 wurden Ende Juni noch immer vermisst. Die Andamanen und Nikobaren sowie Thailand hatten zu den am stärksten betroffenen Gebieten gehört.

(apa)

24.7.2005 19:35