Santiago de Compostela: Die spanische Polizei sprengt nach Bombendrohung Paket
- Explosion zwei Tage vor wichtigstem Fest in Galicien
- Galicische Nationalisten werden jetzt beschuldigt
Die Explosion eines Sprengsatzes im spanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela geht nach Einschätzung der Regierung auf das Konto galicischer Separatisten zurück. Bei der Detonation vor der Zentrale der Sparkasse Caixa Galicia wurde niemand verletzt. Es entstand nur geringer Schaden. Polizeivertretern zufolge wurden zwei Personen festgenommen, die die Bombe wahrscheinlich gelegt hätten.
"Die Polizei sieht eine Verbindung der verantwortlichen zu radikalen Unabhängigkeitsgruppen", hieß es in einer Mitteilung der Regierung. Behördenvertreter sagten, die Polizei sei zwei Tage vor dem galicischen Nationalfeiertag auf einen möglichen Anschlag vorbereitet gewesen. "Es ist keine Überraschung, weil wir das befürchtet haben", sagte Bürgermeister Jose Antonio Sanchez Bugallo im Radiosender Cadena Ser. "Strenge Vorkehrungen wurden getroffen und die Polizei hat sofort gehandelt." Der verstärkte Polizeischutz habe die Identifikation zweier Verdächtiger ermöglicht. Diese seien den Beamten rasch ins Netz gegangen.
Zuvor hatte es geheißen, der Sprengsatz sei kontrolliert zur Explosion gebracht worden. Die beiden Verdächtigen seien von Polizisten verfolgt und verhaftet worden, die beobachtet hätten, wie sie in einer Bank ein verdächtiges Paket liegen ließen.
Santiago de Compostela ist die Hauptstadt der nordwestlichen spnaischen Region Galiciens und als Endpunkt des Pilgerweges "Camino de Santiago" (Jakobsweg) ein bedeutender Wallfahrtsort. Die Pilgerroute zieht jedes Jahr Tausende von Besuchern an. Der galicische Nationalfeiertag, das Fest des Heiligen Jakob, wird am kommenden Montag begangen. Die Region hat eine eigene Regierung, die Galicier sprechen eine eigenständige Sprache. Einige von ihnen streben nach größerer Unabhängigkeit von der Zentralregierung in Madrid.
Wie die viel bekanntere baskische Separatistenorganisation ETA greifen immer wieder auch separatistische galicische Gruppen auf Gewalt zurück. 2003 waren in Galicien vor den Büros der damals regierenden konservativen Volkspartei (PP) und der Regionalregierung mehrere Sprengsätze explodiert, die den Separatisten zugeschrieben werden.
Zuletzt erlebte die Region einen tiefgreifenden politischen Wechsel. Nach 16 Jahren an der Spitze der Regionalregierung wurde der frühere Veteran des Franco-Regimes, Manuel Fraga Iribarne von der PP - er war auch Chef von deren rechter Vorgängerpartei -, abgewählt. Der Sprengsatz in Santiago explodierte nur wenige Stunden, nachdem die in Madrid regierenden Sozialisten mit gemäßigten galicischen Nationalisten eine Koalitionsvereinbarung für die Region unterzeichneten.
Auch die ETA hat in der Vergangenheit in Galicien zugeschlagen. Im August 2004 hatte die baskische Gruppe eine Bombe in Santiago gelegt. Seit 1968 sind bei Anschlägen der ETA insgesamt fast 850 Menschen ums Leben gekommen.
(apa)
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