Samstag, 23. Juli 2005

Rückkehr aus Sharm el-Sheikh: Zweite
AUA-Sondermaschine in Wien gelandet

  • 42 Österreicher an Bord - Flug nach Ägypten fast leer
  • Plus: Die BILDER von den Anschlägen in Ägypten

Montag früh ist eine zweite AUA-Sondermaschine mit 42 rückkehrwilligen österreichischen Touristen aus Sharm el-Sheikh in Wien Schwechat gelandet. Die Touristen gaben als Grund an, dass sie sich in Ägypten nach den Anschlägen nicht mehr sicher fühlten. Mit an Bord war auch ein Team des Roten Kreuzes, das in den vergangenen 24 Stunden die traumatisierten Österreicher betreut hatte. Sonntagfrüh waren die ersten Österreicher in Wien eingetroffen. Beim Charterflug aus Wien nach Sharm el-Sheikh am Sonntag blieben 144 der 184 gebuchten Plätze leer.

Von den Reiseveranstaltern wurden Hotlines eingerichtet: Verkehrsbüro (01) 588 00 250, TUI (01) 98 142 140.

Auch den österreichischen Touristen, die schon Sonntag früh am Flughafen Wien aus Sharm el-Sheikh zurückgekehrt waren, stand der Schock der Bomben noch in die Gesichter geschrieben. Eine Sondermaschine der AUA hatte Urlauber, die ihren Aufenthalt nach den Anschlägen vorzeitig beenden wollten, abgeholt. Mehr als 150 Menschen waren an Bord des Fliegers. Die Motivation der meisten verfrühten Heimkehrer: Sie fühlten sich nicht mehr sicher. Eine zweite Sondermaschine wird Montagfrüh weitere Österreicher heimbringen.

Nach den Anschlägen flog eine zweite Sondermaschine in die ägyptische Ferienregion. Die Fokker 70 wurde von der Gulet Touristik gechartert, teilte Patricia Strampfer von Austrian Airlines auf Anfrage mit.

Die Maschine mit der Flugnummer OS 9531 flog am Sonntagabend leer in Wien ab. Der Rückflug OS 9532 sollte Montag um 5:15 Uhr in Wien ankommen.

Österreicher berichten
Nur 150 Meter Luftlinie von einem der Tatorte entfernt schliefen der Salzburger Emil B., seine Frau Monika und seine Tochter Julia im Hotel Iberotel Palace, als eine der Bomben hochging, erzählte er bei der Ankunft am Flughafen. "Wir sind durch die Explosion geweckt worden." Zunächst habe man an ein Erdbeben gedacht. Die Metallrahmen der Fenster waren auf den Steinboden im Zimmer gefallen. "Ich sagte dann zu meiner Frau: 'Ich schau' mal, was los ist. Draußen gab es schon eine Riesenaufregung", sagte Emil B. Zuerst hätten die Einheimischen gedacht, dass Gasflaschen in die Luft geflogen seien.

Aufregung herrschte den Schilderungen des Salzburgers zufolge auch unter den Touristen: "Die Leute haben sich nicht mehr wohl gefühlt." Die Rückreise nach Österreich zu organisieren, sei zunächst schwierig gewesen. "Erst wie sich die Botschaft in Kairo eingeschaltet hat, ist es dann gegangen", sagte Emil B. Doch es gab auch Kritik an der Arbeit des österreichischen Außenamts: "Wir haben nichts gewusst, keine Informationen vom Außenministerium erhalten", sagte der Burgenländer Gerald P.

Viele der österreichischen Touristen hielten sich im Magic Life Club auf: Dort bekamen sie nicht unmittelbar etwas von den Attentaten mit. "Wir habe nichts gehört und nur das mitbekommen, was wir in der Zeitung jetzt im Flugzeug gelesen haben", schilderte etwa der Niederösterreicher Leopold H. Er war erst am Donnerstag nach Sharm el-Sheikkh gereist und wollte drei Wochen bleiben. "Wir durften nicht mehr aus dem Hotel hinaus. Du kannst ja nichts mehr machen", erläuterte er seine Motive für die viel zu frühe Heimkehr. Außerdem habe er sich nicht mehr sicher gefühlt.

Anlaufstellen für Österreicher in Sharm el-Sheikh
Für die Österreicher im von Terroranschlägen heimgesuchten ägyptischen Ferienort Sharm el-Sheikh sind Anlaufstellen eingerichtet worden. Das teilte Außenministerin Ursula Plassnik am Samstagnachmittag in einer Aussendung mit. "Die von der Botschaft Kairo entsandten Mitarbeiter stehen Österreicherinnen und Österreichern, die Rat oder Hilfe suchen, in drei Hotels in Sharm el-Sheik zur Verfügung", so die Außenministerin.

Dabei handelt es sich um das Hotel Marriott Beach Resort Sharm el-Sheikh, Naama Bay-South, und das Hotel Magic Life Air, Nab Bay (neben Radisson SAS).

"Bei diesen Infopunkten", so die Außenministerin "können sich Landsleute, die heimreisen möchten und dies nicht direkt mit den Reiseveranstaltern vereinbaren konnten, melden. Unsere Mitarbeiter werden sie unterstützen."

"Darüber hinaus kümmern wir uns derzeit besonders um die Touristen aus Österreich, die im Iberotel untergebracht sind, das bei einer der Explosionen beschädigt wurde. Ihrer Betreuung gilt aktuell unser besonderes Augenmerk", so Plassnik weiter.

Die beiden anderen Standorte wurden als Informationspunkte ausgewählt, weil im Hotel Magic Life Air eine große Gruppe österreichischer Urlauber untergebracht ist, und im Hotel Marriott Beach auch einige andere EU-Staaten ihre Anlaufstellen für heimreisewillige Touristen eingerichtet haben.

Vorerst keine Reisewarnung für Ägypten
Und die Außenministerin ergänzte: "Obwohl nicht generell vor Reisen nach Ägypten gewarnt wird, rate ich den österreichischen Reisenden zur Vorsicht und bis zur Klärung der Lage von einer Reise nach Sharm el-Sheikh ab."

Im Außenministerium sei eine Informations-Hotline eingerichtet worden. Ihr Ministerium stehe im ständigen Kontakt mit der Botschaft in Kairo, mit den ägyptischen Behörden, den Reiseveranstaltern sowie dem Innen- und Verteidigungsministerium in Wien, sagte Plassnik. (apa/red)

Reiseinformation des Außenministeriums zu Ägypten

23.7.2005 07:56