Nach Salmonellenaffäre in Klagenfurt: Angeklagter Gastwirt heute vor Gericht
- 2003: 100 Krankheitsfälle im Strandbad-Restaurant
- Beschuldigtem Pächter drohen bis zu drei Jahre Haft

Seit Mittwoch früh müssen sich der ehemalige Pächter des Klagenfurter Strandbad-Restaurants und sein Sohn vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt wirft beiden Gastronomen fahrlässige Gemeingefährdung und fahrlässige Körperverletzung vor.
Im Juli 2003 sollen ihre Betriebe Ausgangspunkt von mehr als 100 Salmonellenerkrankungen gewesen sein. Auch der Leiter des Marktamtes und einer seiner Mitarbeiter stehen vor Gericht.
In dem Strafantrag von Staatsanwalt Friedrich Borotschnik heißt es, Leopold T. habe "fahrlässig eine Gefahr für Leib und Leben einer größeren Zahl von Menschen herbeibeführt". Insgesamt 83 Salmonellenerkrankungen konnten nachgewiesen werden, auch 30 Mitarbeiter des Betriebes waren davon betroffen. Im Falle einer Verurteilung droht dem ehemaligen Pächter eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren.
Zahlreiche hygienische Mängel
Bei einem Lokalaugenschein kurz nach Auffliegen der Affäre wurden in dem Betrieb zahlreiche hygienische Mängel festgestellt. So fanden Mitarbeiter des Magistrats bereits seit Wochen gekochte Fleischstücke, Frischfleisch lag im eigenen Tauwasser in einem offenen Behälter. Auch in den Kühlräumen herrschte laut Prüfbericht eine "große Unordnung".
Der Sohn von Leopold T., Pächter des Restaurants Minimundus, muss sich ebenfalls vor Richter Oliver Kriz verantworten. Bei vier Gästen seines Betriebes waren ebenfalls Salmonellenerkrankungen aufgetreten. Die Staatsanwaltschaft klagt ihn wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz und wegen des Vergehens der fahrlässigen Körperverletzung an.
Der Leiter des Marktamtes - nach der Affäre zeitweilig suspendiert - steht ebenfalls wegen Gemeingefährdung vor Gericht. Der Grund: Das Restaurant war nach Bekanntwerden der ersten Erkrankungsfälle nicht sofort behördlich geschlossen worden. Am 17. Juli waren die ersten Erkrankungsfälle aufgetaucht, die Küche des Lokals wurde aber erst fünf Tage später geschlossen. Seit vergangener Saison betreiben die Stadtwerke Klagenfurt als Eigentümer des Strandbads die Gastronomie übrigens selbst.
Die Stadt Klagenfurt hat sich dem Verfahren als Privatbeteiligte angeschlossen. Sie will Ersatz für den ihr zugefügten Image-Schaden haben, auch von ihrem eigenen Marktamtsleiter, der nach wie vor diese Funktion ausübt, und dessen Mitarbeiter.
(apa)
