Mittwoch, 13. Juli 2005

Terror-Netzwerk: Das Al-Qaida-Dossier

  • Die Strategie des Terrors: Heiliger Krieg in Europa
  • Pate der London-Attentate zog auch in Madrid die Fäden

Das Terror-Netz: Weltweit sind bis zu 70.000 Kämpfer aktiv, die im Namen des Islam und der al-Qaida zum blutigen Terror rüsten.
Die Attentäter: Das Mastermind der Terrorzelle von London ist flüchtig, seine „Soldaten“ kamen bei den Explosionen ums Leben.

Der mutmaßliche Kopf der Terrorserie in London ist auf der Flucht – gut getarnt: rote Haare, grüne Augen, spanischer Pass; der 47-jährige Syrer Mustafa Setmariam Nasar sprengt das Klischee des „Fundi-Terroristen“. Das ist sein wichtigster Trumpf. Sein zweiter sind die Bombenkiller, die der Al-Qaida-Führungsoffizier mit jahrzehntelanger Erfahrung ausschickte: junge Männer mit muslimischem Hintergrund, auf der Suche nach Sinn oder Identität, die sich in den Wahnsinn von Märtyrertod und Heiligem Krieg verrannt haben.

Vier solcher Männer – so der Ermittlungsstand bei Redaktionsschluss – haben das U-Bahn-Netz der Millionenmetropole London in eine tödliche Falle verwandelt: Bis zu 90 Tote und 700 Verletzte haben die Anschläge der vergangenen Woche gefordert. Wenigstens einer von ihnen hat sich in dem Doppeldeckerbus selbst mit in den Tod gesprengt: Der Selbstmordterrorist stammt aus der Stadt Leeds. „Seine Eltern haben ihn auf der Polizeihotline als vermisst gemeldet“, erklärte ein Sprecher der Polizei. Das Haus und jene von vier weiteren Verdächtigen wurden durchsucht. Es war die erste Spur.

Basierend auf dem gefundenen Material, wurde eine Fahndungliste erstellt: Nasar steht derzeit neben seinem Mitstreiter aus Afghanistan, dem 44-jährigen Marokkaner Mohammed al-Guerbozi, hier ganz oben.
Internet-Kommandos. Die beiden „Lehrmeister“ des Terrors haben die Gruppe, die aus den Armenvierteln um London stammt, wahrscheinlich per Internet dirigiert. Und sie konnten auf Erfahrungen aus anderen Attentaten bauen: Al-Guerbozi gilt als Kopf der Attentäter von Casablanca 2003, Nasar wiederum als „Hirn“ der Anschläge in Madrid im März 2004, die 191 Tote gefordert haben. „Die Ähnlichkeiten bei der Durchführung der Anschläge sind frappierend“, so der spanische Exsicherheitschef Rafael Bardaji.

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13.7.2005 16:02