Samstag, 16. Juli 2005

Großrazzia bei Infineon: Vorstandsmitglied Zitzewitz tritt nach Korruptionsverdacht ab!

  • Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung?

Das unter Korruptionsverdacht stehende Vorstandsmitglied der Infineon Technologies AG, Andreas von Zitzewitz, hat mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt erklärt. Dies habe er dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Max Dietrich Kley mitgeteilt, gab das Unternehmen am Samstag in München bekannt. Zitzewitz habe seinen Rücktritt erklärt, um das Unternehmen nicht mit den laufenden Untersuchungen zu belasten und sich voll auf das sich abzeichnende Verfahren zu konzentrieren. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem gegen Zitzewitz wegen Korruptionsverdachts.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung gegen Top-Manager des Chipherstellers Infineon. Verdächtigt werden neben dem für die Speicherchip-Sparte zuständigen Zitzewitz auch der früher ebenfalls in diesem Bereich tätige Harald Eggers, wie Behördenleiter Christian Schmidt-Sommerfeld am Samstag erklärte. Weiterhin wird gegen den Betreiber der schweizerischen Sponsoring-Agentur BF Consulting, Udo Schneider, ermittelt.

Bei einer Großrazzia wurden nach Angaben von Schmidt-Sommerfeld bis zum späten Freitagabend die Konzernzentrale sowie Büros und Wohnungen in Deutschland und der Schweiz durchsucht. Er bestätigte weitgehend Vorabberichte von "Spiegel" und "Focus" und kündigte für Montag eine Erklärung seiner Behörde an.

Zitzewitz und Eggers, der laut "Spiegel" zurzeit das Schweizer Technologieunternehmen Unaxis leitet, wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter anderem vorgeworfen, von Schneider sechsstellige Vermittlungsprovisionen für die Anwerbung von Sponsoring-Partnern bei Motorsport-Veranstaltungen erhalten zu haben, die angeblich nicht versteuert wurden. Zitzewitz gilt dem "Spiegel" zufolge bislang bei einem geplanten Börsengang der Speicherchipsparte von Infineon als Favorit für den Vorstandsvorsitz.

259.000 Euro wegen "Vermittlung" von Zuliefererfirma?
Zitzewitz steht laut "Focus" im Verdacht, 259.000 Euro von Schneider angenommen und Schneiders BF Consulting im Gegenzug Co-Sponsoring-Verträge mit Infineons Zulieferfirmen vermittelt zu haben. Der 2004 bei Infineon ausgeschiedene Eggers soll während seiner Zeit beim Münchner Konzern für 50.000 Dollar einen Co-Sponsoring Vertrag eingefädelt haben.

Grund für die Aufnahme der Ermittlung waren laut Schmidt-Sommerfeld Äußerungen von Schneider anlässlich eines Rechtsstreits zwischen BF Consulting und Infineon wegen eines vorzeitig gekündigten Sponsoring-Vertrages. Schneider erwähnte am Rande der nicht öffentlichen Verhandlung vor dem Münchner Landgericht, dass er Zitzewitz über drei Jahre hinweg 300.000 Euro habe zukommen lassen. Diese Bemerkung führte zu ersten Vorermittlungen, die dann die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens und die Durchsuchungen zur Folge hatten.

"Wir unterstützen die Behörden in jeder Hinsicht bei ihren Ermittlungen. Wir sind ebenso an einer vollständigen Aufklärung interessiert", erklärte Infineon-Chef Ziebart. Das Unternehmen stellte klar, dass Infineon nach dem Ausscheiden des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Ulrich Schumacher so weit möglich alle Engagements im Motorsport beendet habe. Infineon selbst sei nicht Gegenstand der Ermittlungen.

(apa)

16.7.2005 15:54