Mittwoch, 13. Juli 2005

VA Tech-Deal endgültig fix: EU genehmigt Übernahme durch Siemens mit Auflagen

  • Wasserkraftwerksbau muss verkauft werden
  • Siemens-Boss Kleinfeld: "Strategische Ziele erreicht"

Siemens ist bei der VA Tech nun am Ziel und darf den Linzer Anlagenbauer übernehmen. Aus Brüssel gab es am Mittwoch dafür grünes Licht. Auf Druck der Wettbewerbshüter muss sich Siemens aber vom Wasserkraftgeschäft der VA Tech trennen und die Unabhängigkeit des deutschen Metallurgie-Spezialisten SMS Demag, an dem der Münchener Elektro- und Elektronik-Riese 28 Prozent hält, über Treuhänder garantieren.

Nach der Freigabe des Deals kann Siemens bei der VA Tech, die 2004 mit rund 16.600 Beschäftigten auf 4,1 Mrd. Euro Umsatz kam, ab sofort operativ das Ruder übernehmen und die drei verbleibenden Kernbereiche Metallurgietechnik (VAI), Infrastruktur (Elin EBG) und Energietechnik (T&D) in den eigenen Konzern integrieren. Über die Pläne dazu informiert die österreichische Landesgesellschaft von Siemens morgen in einer Pressekonferenz in Wien.

Der Kaufpreis für die gesamte VA Tech macht gut eine Milliarde Euro aus. Dem Vernehmen nach soll das Geld kommenden Freitag fließen (Closing). Dann ist die Übernahme, die bisher drittgrößte eines Industriekonzerns in Österreich, endgültig abgeschlossen und Siemens im Besitz von 97,15 Prozent der Aktien. Die staatliche Industrieholding ÖIAG kassiert mit dem Verkauf ihres knapp 15-prozentigen Anteils rund 146 Mio. Euro.

Mit der Auflage für Siemens, die Hydro, die Wasserkraft-Sparte der VA Tech, abgeben zu müssen, sollte laut EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes verhindert werden, dass die Einkaufspreise für Anlagen zur Stromerzeugung steigen und das zu höheren Strompreisen führt. Kroes: "Wir unterstützen die Bildung starker, wettbewerbsfähiger Unternehmen unter der Voraussetzung, dass ein wirksamer Wettbewerb auf allen relevanten Märkten erhalten bleibt." Eine Zusammenlegung mit dem Wasserkraftgeschäft von Siemens hätte den Wettbewerb "erheblich beeinträchtigt".

Verkauf der VA Tech Hydro "unverzüglich"
Der Verkauf der VA Tech Hydro werde nun unverzüglich eingeleitet, hieß es heute aus dem Siemens-Konzern. Siemens Österreich-Boss Albert Hochleitner hatte erst gestern erklärt, den Verkaufsprozess bis Jahresanfang 2006 abschließen zu wollen. Das deckt sich auch mit den heute bekannt gegebenen Vorgaben der EU-Wettbewerbshüter, die dafür einen Zeitspanne von acht Monaten festgelegt haben.

Für die Hydro, die zuletzt rund 3.000 Leute beschäftigte und knapp 900 Mio. Euro umsetzt, ist in Medien ein Kaufpreis von bis zu 300 Mio. Euro kolportiert, sollte sie im Gesamtpaket (samt fossilem Kraftwerksbau) auf den Markt kommen. Vom Verkauf sind in Österreich rund 1.300 Mitarbeiter in Wien und im steirischen Weiz betroffen. Siemens hat zumindest für den Standort Weiz eine eineinhalbährige Jobgarantie eingeräumt. Für den Verkauf soll Siemens eine österreichische Lösung präferieren.

"Wir werden uns an der Startlinie aufstellen", bekräftigte KTM-Vorstand Stefan Pierer heute gegenüber der APA das Interesse seiner Investoren-Gruppe an der Hydro. An Bord hat Pierer, der ernste Kaufabsichten hat, neben dem früheren steirische VP-Wirtschaftslandesrat Helmut Paierl (jetzt Magna) auch den Wiener Mittelstandsfinancier UIAG.

Neben der Gruppe um den Oberösterreicher Pierer ist auch der Industrielle Mirko Kovats interessiert, der Siemens im Herbst 2004 mit dem Verkauf seines 16,5-prozentigen Anteils den Einstieg in den VA Tech-Konzern möglich gemacht hatte. Kaufinteresse wird auch dem Grazer Anlagenbauer Andritz und der Berndorf AG des Industriellen Norbert Zimmermann nachgesagt. Von ausländischer Seite sollen Private-Equity-Firmen wie CVC, Carlyle und Blackstone interessiert sein.

Wie zuvor angekündigt will Siemens die VA Tech nach dem Closing von der Börse nehmen. Ein Squeeze-out, bei dem der verbliebene Streubesitz abgespalten und abgefunden wird, soll eingeleitet werden. Mit dem Delisting von der Wiener Börse wird für den Herbst gerechnet.

(apa/red)

13.7.2005 12:09