Dienstag, 12. Juli 2005

Airline-Börsegang geglückt: Slowakische SkyEurope in Wien und Warschau gelandet

  • Aktie am ersten Handelstag in vorsichtigem Steigflug

Nach wochenlangen Gerüchten und vagen Ankündigungen war es am Dienstag so weit: Die slowakische Billigfluggesellschaft SkyEurope notierte erstmals an den Börsen Wien und Warschau. Das ist der vorläufige Höhepunkt für die knapp vor den "9/11"-Anschlägen von 2001 gegründete mitteleuropäischen Airline, die von den Drehkreuzen Bratislava/Pressburg, Budapest, Krakau und Warschau aus operiert.

SkyEurope-Chef und -Gründer Christian Mandl zeigte sich bei einer Pressekonferenz heute mit dem Interesse vor allem institutioneller Anleger österreichischen, britischen und kontinentaleuropäischen Fonds und Investoren "sehr zufrieden". Nach dem Börsegang gibt es jetzt über 500 Investoren in ganz Europa, der Streubesitz liegt bei 65 Prozent. Der Anteil der Gründer verringert sich von 16,7 auf künftig 8,4 Prozent, institutionelle Anleger halten knapp 19 Prozent und ein Konsortium um die Europäische Bank für Wiederaufbau (Osteuropabank/EBRD) knapp 8 Prozent.

In der Zeichnungsfrist wurden über 30 Mio. Aktien geordert. Das Emissionsvolumen von 12,98 Mio. Aktien (inklusive Greenshoe) war damit mehr als zweifach gezeichnet. SkyEurope bringt der Börsegang - durch die Ausgabe von 10 Mio. jungen Aktien aus einer Kapitalerhöhung - 60 Mio. Euro an frischem Geld. Damit soll das Wachstum in den Kernmärkten des Unternehmens, Zentral- und Osteuropa (CEE), vorangetrieben werden. Daneben erlösen Altaktionäre, die SkyEurope-Aktien aus ihrem Besitz für die Emission und den Greenshoe zur Verfügung gestellt haben, aus dem Verkauf ihrer 2,98 Mio. Aktien (davon 1,18 Mio. Stück als Mehrzuteilungsoption) 17,88 Mio. Euro.

Erstmals Gewinne könnte SkyEurope frühestens 2007 schreiben. Dividende soll vorläufig nicht ausgeschüttet werden, "das machen auch Ryanair oder Easyjet so, die alle Gewinne in das weitere Wachstum investieren", sagte Mandl. Profitabel werden könne SkyEurope erst mit dem "Erreichen der kritischen Masse". Diese dürfte mit der Stationierung von je vier neuen Flugzeugen an den vier Drehkreuzen Bratislava, Budapest, Krakau und Warschau im Jahr 2007 der Fall sein.

"Keine Low Cost-Airline ist profitabel, bevor sie eine kritische Größe erreicht hat", meint Mandl. Noch befinde sich SkyEurope in der Investitionsphase, mit den Erlösen des Börsegangs soll das weitere Wachstum finanziert werden. Nach Schätzungen von Analysten dürfte der Verlust im laufenden Geschäftsjahr (per September) bei 26,6 Mio. Euro liegen.

SkyEurope betreibt derzeit eine Flotte von 15 Flugzeugen, von vier Basen - Bratislava, Budapest, Krakau und Warschau - insgesamt 30 Destinationen in Europa anfliegen. Weitere 16 Boeing 737-700 wurden fix bestellt, auf weitere 16 Maschinen besteht eine Option.

Auf den ersten Blick sei der Zeitpunkt für den Börsegang angesichts der hohen Treibstoffpreise nicht ideal, räumte Mandl ein. Doch die Treibstoffpreise würden alle Airlines gleichermaßen treffen. "Die Treibstoffpreise tun den traditionellen Airlines mehr weh", so Mandl. Die Billigfluggesellschaften könnten die hohen Treibstoffpreise dank ihrer günstigeren Kosten zum Teil kompensieren. Der Anteil der Kerosinkosten stieg bei SkyEurope zuletzt auf 30 Prozent und liegt damit deutlich höher als etwa bei der AUA, wo der Anteil um 17 Prozent liegt.

Am Nachmittag (16 Uhr) notierten die SkyEurope-Aktien an der Wiener Börse bei 6,09 Euro und damit 1,5 Prozent über dem Ausgabepreis von 6 Euro. Der Eröffnungskurs lag bei 6,50 Euro. Der bisherige Höchstkurs lag bei 6,60 Euro, das Tief bei 5,95 Euro. Gehandelt wurden bisher rund 854.000 Aktien.

Börsevorstand Stefan Zapotocky zeigte sich am Dienstag "sehr stolz" über den Neuzugang, die fünfte neue Notierung am Wiener Kurszettel im laufenden Jahr. SkyEurope ist der erste Börsegang einer europäischen Fluggesellschaft seit 2003. Die Slowaken sind der fünfte börsenotierte Billigflieger in Europa - nach den beiden Branchenpionieren Ryanair und easyJet und den skandinavischen Gesellschaften Norwegian und FlyMe.

Mit einem Marktanteil von 63 Prozent am Flughafen Bratislava/Pressburg sei SkyEurope "de facto der National Carrier der Slowakei", sagte Mandl. Die Airline beschäftigt rund 700 Mitarbeiter in der Slowakei, Polen und Ungarn. Im Jahr 2004 wurde knapp eine Million Fluggäste befördert, in den zwölf Monaten bis Ende August waren es 1,6 Millionen. Zum Vergleich: Die Austrian Airlines-Gruppe beförderte allein im Monat August 1,1 Mio. Fluggäste, im Gesamtjahr 2004 waren es 7,8 Mio. Linien-Passagiere. (apa/red)

12.7.2005 12:14