Sonntag, 17. Juli 2005

Österreich bei Tour de France am Weg zur Großmacht: Zwölf Top-Ten-Plätze

  • Erster Nachkriegs-Etappensieg soll Boom auslösen

Zwölf Top-Ten-Plätze (inklusive Mannschaftszeitfahren), drei Mal unter den ersten Drei - ebenso oft wie in der gesamten Nachkriegszeit davor zusammen. Österreich präsentierte sich bei der Tour de France 2005 in nie da gewesener Dichte im Spitzenfeld. Als Höhepunkt sorgte Georg Totschnig in Ax-3-Domaines für den ersten österreichischen Tagessieg seit 74 Jahren, füllte danach nicht nur die Titelseiten der heimischen, sondern auch der internationalen Presse.

"Ich denke, dass das auch für den Radsport in Österreich gut ist", sprach der Tiroler aus, was viele erhoffen - einen Boom. Totschnig überfuhr beobachtet von 170 TV-Stationen, die das größte jährlich stattfindende Sportevent der Welt live übertragen, die beiden abschließenden Berge im Solo, stellte Österreich und sich selbst in die Auslage. Lange nicht hat es so eine spannende Bergankunft mit derart emotionalen Bildern im Ziel gegeben - das war beste Werbung für den Radsport.

"Wir alle profitieren von Georgs Vorstellung", meinte Gerolsteiner-Zimmerkollege Peter "Paco" Wrolich. "Wir wissen jetzt, dass ein Etappensieg jederzeit machbar ist. Auch Bernhard Eisel und ich waren ja schon mehrmals vorne dabei", erklärte der Kärntner, der auf der dritten Etappe in Tours nur von Sprint-Ass Tom Boonen bezwungen worden war.

Der deutsche Rennstall Gerolsteiner feierte ausgelassen seinen ersten TdF-Tagessieg überhaupt, und auch der dritte noch im Rennen befindliche Österreicher freute sich mit. Eisel war ob seiner Spurtqualitäten im Vorfeld der Tour am ehesten ein Etappenerfolg zugetraut worden. Dem Steirer von Francaise des Jeux, bereits Dritter und Vierter bei der laufenden Tour, war seine Freude über den ersten Triumph in Rot-Weiß-Rot anzusehen. Gerrit Glomser (Lampre-Caffita) war nach drei Top-Ten-Platzierungen auf der 10. Etappe ausgestiegen.

Totschnig erhielt für seinen Tagessieg 8.000 Euro Preisgeld. Außerdem gab es für den Zillertaler noch 2.000 Euro Zusatzprämie, da er zum angriffslustigsten Fahrer der 14. Etappe gewählt wurde.

Österreichs Top-Ten-Platzierungen bei der Tour:
* 1. Platz: Georg Totschnig (Gerolsteiner/14. Etappe in Ax-3-Domaines)
* 2. Platz: Peter Wrolich (Gerolsteiner/3. Etappe in Tours)
* 3. Platz: Bernhard Eisel (Francaise des Jeux/7. Etappe in Karlsruhe)
* 4. Platz: Eisel (3. Etappe in Tours)
Gerrit Glomser (Lampre-Caffita/7. Etappe in Karlsruhe)
* 7. Platz: Wrolich (2. Etappe in Les Essarts)
Eisel (5. Etappe in Montargis)
* 8. Platz: Gerolsteiner (Totschnig, Wrolich/Teamzeitfahren in Blois)
* 9. Platz: Glomser (6. Etappe in Nancy)
* 10. Platz: Glomser (9. Etappe in Mulhouse)
Totschnig (11. Etappe in Briancon)

(apa)

17.7.2005 12:03