Totschnig: "Sieg wiegt alles auf, was ich in den vergangenen Jahren investiert habe"
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Nach dem sensationellen Etappensieg von Georg Totschnig auf der 14. Etappe der Tour de France spricht der Gerolsteiner-Fahrer erschöpft aber überglücklich über seinen Triumph.
Im Mannschaftshotel seines Teams Gerolsteiner sprach der Tiroler am Samstagabend gegenüber der APA bei fast jedem Wort strahlend über Motivation, Emotionen und warum er es am Schlusskilometer mit der Angst zu tun bekam.
APA: Ihre Taktik, früh in einer Fluchtgruppe vertreten zu sein, ist voll aufgegangen. Kann man vom "perfekten Tag des Georg Totschnig" sprechen?
Totschnig:"Ja, im Grunde genommen schon. Manchmal muss man das Glück ein wenig erzwingen, denn es ist nicht einfach, eine gute Gruppe zu finden. Ich wusste, ich muss alles riskieren. Normal gibt es so etwas nicht, aber mir ist alles aufgegangen."
APA: Es war ein Sieg mit Ansage. Wie gut kennen Sie ihren Körper?
Totschnig: "Ich bin kein Typ, der seine Fähigkeiten gerne herausstreicht, sondern eher öfters an ihnen zweifelt. Mittlerweile weiß ich aber, was ich kann und was nicht. Vor einer Woche - vor allem am Sonntag - habe ich wegen fehlender Form noch ernsthaft darüber nachgedacht, abzusteigen."
APA: Nun sind Sie in der Gesamtwertung an die 14. Stelle vorgerückt. Sind die gesundheitlichen Probleme überwunden und kommt die Topform zurück?
Totschnig: "Momentan bin ich noch leer. Am liebsten wäre mir, wenn wir morgen Paris erreichen würden. Ich habe keine großen Ambitionen mehr, denn letztlich ist es egal ob ich Gesamt-14. oder 40. werde."
APA: Fakt ist, dass Sie als erster Österreicher im modernen Radsport eine Tour-Etappe gewonnen haben. Wie ist dieser Sieg einzuordnen? Gibt es etwas Größeres?
Totschnig: "Nein, das ist definitiv der Höhepunkt meiner sportlichen Karriere, ein einmaliges Erlebnis. Das wiegt alles auf, was ich in den vergangenen Jahren investiert habe. Emotional ist das ein Wahnsinn, weil gerade diese Tour nicht optimal für mich verlaufen ist. Ich habe nicht immer daran geglaubt, aber man sollte nie aufgeben."
APA: Im Ziel haben Sie große Emotionen gezeigt und auch Freudentränen nicht zurückgehalten. Besteht die Gefahr eines Spannungsabfalles nach so einem Sieg?
Totschnig: "Natürlich ist es schwer, die Spannung zu halten und sich weiterhin zu motivieren. Aber ich bin noch nicht über meinen Zenit und möchte weiterhin Rennen gewinnen."
APA: Wie haben Sie selbst das Gewinnen dieses großen Rennens erlebt?
Totschnig: "Das Schönste war die Fahrt über die Ziellinie. Was da passiert, kann man nicht in Worte fassen. Davor bin ich am Anschlag gefahren, habe den Funk nicht mehr gehört und hatte Angst, mich umzudrehen. Die Michi (Anm.: Totschnigs Frau Michaela) hätte mich zerwuzelt, wenn ich deswegen eingeholt worden wäre. Aber da kamen die Marken 500 - 400 - 300 Meter und niemand fuhr mehr vorbei."
APA: Ab welchem Zeitpunkt haben Sie mit dem Sieg zu spekulieren begonnen?
Totschnig: "Als ein großes Loch zum Feld aufgegangen ist, habe ich mir gedacht, dass es reichen könnte - für einen Fahrer aus der Gruppe. Neben mir waren mit Garzelli und Garate ja einige weitere gute Bergfahrer dabei."
APA: Zweiter Armstrong, Dritter Basso, Vierter Ullrich - und allesamt bezwungen von Georg Totschnig. Was bedeutet das für Sie?
Totschnig: "Es ist eine Aufwertung und macht mich stolz, Armstrong geschlagen zu haben. Er ist ein großartiger Sportler und ein großartiger Mensch, der mir nach dem Rennen auch gratuliert hat."
(apa/red)
