Respekt von allen Seiten: Familienmensch Totschnig feierte "größten sportlichen Sieg"
- Tiroler ist einer der beliebtesten Fahrer im Peloton
- Tränen bei Totschnig und auch seinen Teamkollegen
Georg Totschnig klopft sich zwei Mal ungläubig auf den Helm, vergisst in all der Euphorie, sich das Gerolsteiner-Trikot zuzuknöpfen und reißt die Arme in die Höhe. Der 34-jährige Tiroler hat so eben in Ax-3-Domaines eine Etappe der Tour de France gewonnen, als zweiter Österreicher nach Max Bulla 1931. Und dennoch spricht der zweifache Familienvater ausdrücklich vom "größten Triumph" seiner "sportlichen Karriere".
Totschnig ist ein Familienmensch, tankt bei seiner Frau Michaela und seinen Kindern Emma (sieben Jahre) und Max (neun Monate) in Ramsau im Zillertal die Energie, die er bei seinen Husarenritten über die Berge verbraucht. "Sie geben mir einfach Kraft", erklärte der in Innsbruck geborene Kaltenbacher, der heuer auch sein zehnjähriges Hochzeitsjubiläum feiert.
Kein Jubiläum, sondern eine Premiere ist hingegen der Etappensieg bei der Frankreich-Rundfahrt. Als Gesamt-Siebenter war Totschnig im Vorjahr in Plateau de Beille auf Rang drei geradelt, hatte damals schon von "einem Traum" gesprochen. Am 16. Juli 2005 wurde der ganz große Traum vom Tour-Tagessieg für einen Menschen Wirklichkeit, der nie große Töne spuckt. Sein Sprung aufs höchste Podium ist für den zurückhaltenden Tiroler schon als Gefühlsausbruch zu werten.
Gesundheitliche Probleme hatten ihn in der Vorbereitung für das Rennen des Jahres geschwächt. "Die erste Tour-Woche war hart", gab Totschnig zu. Aber aufgeben ist seine Sache nicht: "Ich werde alles auf eine Karte setzen." Die Karte entpuppte sich als Trumpf-Ass für den Zillertaler, der 1994 beim italienischen Polti-Team unter Vermittlung von Helmut Wechselberger das erste Mal ein Profi-Trikot übergestreift hatte.
Schon Vater Hansjörg liebte den Drahtesel
Dabei wurde ihm zwar der Radsport durch seinen als Amateur-Fahrer engagierten Vater Hansjörg förmlich in die Wiege gelegt, in jungen Jahren war Österreichs aktuelles Aushängeschild auf zwei je vier Millimeter breiten Reifen aber zwei Brettern zugetan: Der Tiroler besuchte die Ski-Hauptschule Neustift, ehe er den Skisport aufgab und 1987 sein erstes Jugend-Rennen auf dem Rad als Sechster beendete.
Im Profilager folgten darauf zwei Siege bei der Österreich-Rundfahrt, dazu als bester Gesamtrang beim Giro d'Italia ein fünfter Platz 2001. Spätestens als er im Vorjahr die Tour de France als Siebenter beendet hatte, war sich der sympathische Zillertaler auch des gebührenden Respekts der ganz Großen im Feld sicher.
Den "größten Erfolg" seiner "sportlichen Karriere" gönnen Georg Totschnig, einem der beliebtesten Radsportler, der im Peloton nicht einen einzigen "Feind" hat, ausnahmslos alle. Vom sechsfachen Sieger Lance Armstrong bis hin zu seinen Teamkollegen bei Gerolsteiner, die wissen, wie hart er dafür gearbeitet hat. Einige konnten deshalb - wie Totschnig - ihren Freudentränen nicht Einhalt gebieten.
(apa)
