Samstag, 16. Juli 2005

Georg Totschnigs Frau Michaela gerührt: "Heute heult das ganze Tal vor Glück"

  • "Georg hat sich heute seinen Lebenstraum erfüllt"

Die Emotionen von Michaela Totschnig sind während der Samstag-Etappe der Tour de France Hochschaubahn gefahren. "20 km vor dem Ziel habe ich irgendwie abgeschalten, ich war kurz vor der Ohnmacht. Checken, was da heute passiert ist, werde ich wohl erst am Abend, wenn ich mir die Aufzeichnung anschaue. Georg hat sich heute seinen Lebenstraum erfüllt", sagte die Ehefrau des Tiroler Radprofis Georg Totschnig, der am Samstag für den ersten Etappensieg eines Österreichers seit 74 Jahren bei der Tour de France gesorgt hatte.

In Familien- und Freundeskreisen ist sie dafür bekannt, am liebsten alleine Radsport im Fernsehen zu verfolgen: "Ich habe gern meinen seligen Frieden. Aber zufällig sind zwei Freunde vorbei gekommen, die sich gar nicht so für Radsport interessieren. Sie sind dann mit mir fünf Stunden vor dem Fernseher gesessen, ich hab sie nicht gehen lassen", erzählte Michaela der APA. Ihr Ehemann hatte sie zu Hause in Ramsau im Zillertal unmittelbar nach dem größten Erfolg seiner Karriere angerufen. "Er war richtig gerührt, einfach fertig." Georg widmete den Erfolg auch gleich seiner Familie.

Dass der 16. Juli 2005 ein besonderer Tag werden könnte, hatte ihr Georg telefonisch angekündigt: "Am Freitagabend hat er schon gesagt: Morgen heißt es Alles oder Nichts. Und heute Früh hat er das noch einmal gesagt. Er hat auch gemeint, er kann nicht bis zum vorletzten Berg warten, das geht wegen Lance (Armstrong/Anm.) nicht. Er muss versuchen, früh mit einer Gruppe wegzukommen", hielt sich der Tiroler dann genau an die selbst auferlegte Taktik, die voll und ganz aufging.

Michaela Totschnig hatte indes vorgesorgt: "Ich hab' zu den Eltern gesagt, am Samstag gehe ich am Abend weg. Egal, wie das heute ausgeht, ich muss raus. Die vergangenen zwei Wochen waren schwierig, Georg war mental nicht gut drauf." Jetzt wird es eine Siegesfeier werden. "Egal, wer heute aus dem Tal anruft, alle heulen am Telefon. Vor Glück."

Für Tochter Emma ist der Papa immer der Beste
Mit Michaela hat auch die siebenjährige Emma die Triumphfahrt des Papas miterlebt, Söhnchen Max ist mit neun Monaten noch zu klein, um zu verstehen, was sich da am Samstag aus österreichsicher Sicht Sporthistorisches ereignet hat: "Für Emma ist der Papa immer der Beste, sie schaut gerne zu, aber sie hat heute keinen Unterschied zu anderen Tagen gesehen. Sie hat nur gefragt, warum ich heute so anders bin", berichtete Michaela.

Michaela Totschnig wird ihren Ehemann am 24. Juli beim Großen Finale in Paris in die Arme nehmen. "Nach Paris bin ich immer geflogen, nur im Vorjahr nicht, da war ich hochschwanger." Das Wiedersehen heuer wird wohl auf ewig einen besonderen Stellenwert haben.

(apa)

16.7.2005 18:21