Donnerstag, 14. Juli 2005

Höhentraining ein Muss: Ullrich trainiert in zwei Millionen Euro teurem 'Höhencontainer'

  • Lance Armstrong schläft unter Höhenbedingungen
  • St. Moritz: Totschnig ist für die natürliche Methode

Lance Armstrong und Jan Ullrich schwören darauf und auch Georg Totschnig kann nicht darauf verzichten. Höhentraining ist für Radprofis wie für alle Ausdauer-Athleten ein Muss - die Methoden sind freilich völlig unterschiedlich. Während der sechsfache Tour-de-France-Sieger und sein Herausforderer auf Vorbereitung unter künstlich simulierten Bedingungen setzen, bevorzugt der Tiroler die natürliche Methode.

Jan Ullrich hat in seinem Haus in Scherzingen (Schweiz) am Bodensee um geschätzte zwei Millionen Euro eine Anlage installieren lassen, auf der durch Sauerstoffentzug beliebige Höhenlagen von 2.000 bis 4.500 Meter simuliert werden können. Der T-Mobile-Star spult in dem hermetisch abgeschlossenen gläsernen "Container" seine Einheiten ab. Und profitiert von der in der Höhe verstärkten Produktion roter Blutkörperchen, wodurch die Muskel besser mit Sauerstoff versorgt werden und damit die Leistung erhöht wird.

Lance Armstrong trainiert zwar meist in "normaler" Höhenlage, schläft aber in einem Raum, in dem künstlich eine bestimmte Höhe eingestellt wird. Totschnig hält davon wenig. Einerseits möchte er seiner Ehepartnerin dies nicht zumuten, anderseits ist er vom Vorteil eines herkömmlichen Höhentrainings in den Bergen überzeugt. "Wenn man oben trainiert und dort auch schläft, ist der Effekt besser", sagt der Zillertaler, der in seiner Tour-Vorbereitung drei Mal jeweils zwei bis drei Wochen in der Höhe war. So hat er im Dezember auf einer Almhütte in seiner engeren Heimat auf dem Ergometer trainiert, war dann auf den Bergen Teneriffas und schließlich in St. Moritz.

Wer sich nicht so wie Jan Ullrich ein eigenes "Low Oxygen System" (ab 75.000 Euro) installieren lassen will, der kann zum Höhentraining derartige Anlagen in speziellen Trainingszentren nützen. ÖRV-Bergmeister Hans Peter Obwaller, ein früherer Etappensieger der Österreich-Rundfahrt auf dem Kitzbühler Horn, absolviert sein Höhentraining unter sportmedizinischer Aufsicht in der neuen Alpentherme in Bad Hofgastein.

Der Effekt eines Höhentrainings lässt sich auch mit Medikamenten erreichen, die freilich auf der Dopingliste stehen. Für den jüngsten Fall hat am Dienstag bei der Tour der Italiener Dario Frigo gesorgt, bei dessen Gattin ein Dutzend Portionen EPO gefunden wurde. Mit diesem Produkt, das erst seit wenigen Jahren nachgewiesen werden kann, ist eine verbotene Leistungssteigerung um rund 15 Prozent möglich.

(apa)

14.7.2005 10:38