Mittwoch, 13. Juli 2005

Totschnig bei Tour nur noch Wasserträger? Gerolsteiner macht Leipheimer zum Kapitän

  • Teamchef: "Habe Georg noch nicht abgeschrieben"
  • Totschnig denkt über einen Tour-Ausstieg nach

Nach seinem Vorstoß auf Platz sechs der Gesamtwertung der Tour de France am Dienstag ist Levi Leipheimer nun alleiniger Kapitän im Team Gerolsteiner. Michael Holczer, der Teamchef des deutschen Radrennstalls, erklärte nach der zehnten Etappe am Dienstagabend: "Levis derzeitige Platzierung ist so ungefähr das, wo wir hin wollten. Damit ist jetzt klar: Levi ist der Kapitän!"

Der 31-jährige US-Amerikaner hätte ja ursprünglich mit dem Tiroler Georg Totschnig eine Doppelspitze bilden sollen. Doch dem 34-jährigen Bergspezialisten hängen noch immer seine gesundheitlichen Probleme, die ihn in der Tour-Vorbereitung gehandicapt hatten, nach.

Totschnig bewies aber am Dienstag ansteigende Form auf der schweren Etappe mit dem Schlussanstieg auf den Altiport Courchevel, weshalb Holczer den an 30. Stelle klassierten Zillertaler noch nicht abgeschrieben hat: "Ich sehe Georg noch immer dabei. Er findet langsam seinen Rhythmus."

"Nur weiterfahren, wenn Chance auf Etappensieg"
Totschnig hat einige der schönsten Stunden seiner Karriere erlebt bei der Tour de France, etwa auf der Fahrt zum dritten Etappenrang in den Pyrenäen 2004. Umso mehr schmerzt es den Zillertaler, dass er bei seiner siebenten Teilnahme nicht mit den Besten mitzuhalten vermag. Er hoffte nach der Dienstag-Etappe nach Courchevel weiterhin auf eine Steigerung, dachte aber auch über Alternativen nach.

"Es hat nur dann einen Sinn weiterzufahren, wenn ich eine Chance sehe, eine Etappe zu gewinnen", sagte der Gerolsteiner-Profi, der die Kapitänsrolle bei der Tour an seinen US-Kollegen Levi Leipheimer abtreten musste. Wenn die Topform zurückkäme, würde er am Samstag oder Sonntag in den Pyrenäen etwas probieren. "Aber die Etappen, die mir liegen, werden von den stärksten Leuten bestimmt. Da gibt es keine Überraschungssieger, da muss man hundertprozentig in Form sein."

Realist Totschnig, der die Reaktionen seines Körpers genau kennt, zweifelt freilich selbst an der Möglichkeit, in einigen Tagen wieder in stärkster Verfassung zu sein. "Wenn es nicht reicht, dann muss ich genau überlegen, ob ich nicht andere Ziele ins Auge fasse", erklärte der Vorjahrs-Siebente. Vorausgesetzt, die Teamleitung benötigt seine Dienste nicht zur Unterstützung Leipheimers.

Totschnig sieht kein Problem darin, für den Kollegen im wörtlichen Sinn den "Wasserträger" zu spielen oder ihn nach einem Defekt wieder heranzuführen. "Aber nur um Paris zu erreichen, fahre ich nicht weiter. Da war ich schon zu oft dabei." Ein neues Ziel des Kletter-Spezialisten könnte die Deutschland-Tour Mitte August sein. Ihre Königsetappe endet im Ötztal oberhalb von Sölden.

(apa)

13.7.2005 09:55