Dienstag, 12. Juli 2005

Peter Wrolich blickt hinter die Kulissen:
"Tour de France stößt an ihre Grenzen"

  • Nicht alles was glänzt, ist in Frankreich aus Gold

Die Tour de France bewegt die Massen. Wenn 189 Radprofis im Juli drei Wochen lang ihre 3.600 Kilometer lange Schleife durch Frankreich ziehen, setzt sich mit ihnen ein enormer Tross in Bewegung. Bei der größten Sportveranstaltung des heurigen Sommers stehen rund 15 Millionen Zuschauer an den Straßen, in 170 Ländern gibt es TV-Übertragungen. 4.500 Akkreditierte reisen von Etappenort zu Etappenort, 1.600 Fahrzeuge tragen das offizielle "Pickerl" der Tour 2005.

Die Tour wird vom Veranstalter, der Amaury Sport Organisation (ASO), perfekt vermarktet. Vier Firmen - Skoda, Champion (Supermarktkette), Credit Lyonnais (Bank) und Aquarel (Mineralwasser) - sind Mitglieder des "Klubs der Tour de France", dazu kommen sechs offizielle Partner und 14 offizielle Ausrüster. In der traditionellen Werbekarawane (seit 1930), die mit mehr als 200 Autos etwa zwei Stunden vor dem Radprofis über die Rennstrecke rollt, sind 35 Firmen präsent. Elf Millionen Werbegeschenke werden an die Fans verteilt.

Sind die Profis nach rund fünf Stunden endlich im Ziel, beginnt das Rennen nach dem Rennen. Auf den von Zuschauermassen verstopften Straßen gilt es mit dem Auto möglichst rasch ins Hotel zu kommen. "Zwischen 30 Minuten und eineinhalb Stunden stehen wir immer im Stau", erzählt Peter Wrolich. Dagegen könne man nichts tun, meint der Kärntner, ärgert sich aber über eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. So gab es für das deutsche Gerolsteiner-Teamauto nach der Etappe nach Karlsruhe kein Weiterkommen, das Armstrong-Team Discovery Channel wurde hingegen mit Polizei-Eskorte am Pannenstreifen vorbeigeleitet.

Auch bei den Hotels machen die umjubelten "Helden der Landstraße" meist negative Erfahrungen. "Wer glaubt, wir wohnen so wie Real Madrid oder Bayern München auf einer Auslandsreise, der täuscht sich gewaltig", sagt Wrolich. Die von der Tour-Organisation zugewiesenen Hotels wären allzu oft von schlechter Qualität. "Darum haben wir auch einen eigenen Teamkoch mit, damit wenigstens die Spaghetti gut schmecken." Das Fazit Wrolichs fällt daher schon während seiner erst zweiten Teilnahme kritisch aus: "Die Tour stößt an ihre Grenzen".

(apa)

12.7.2005 14:49