Dienstag, 12. Juli 2005

Klage vor dem Arbeitsgericht: Toni Polster leitet gegen Austria rechtliche Schritte ein!

  • "Bin enttäuscht, doch mir bleibt nichts anderes übrig"
  • Polster könnte bis zu einer Million Euro erhalten

Die vorzeitig beendete "Ehe" zwischen Toni Polster und dem FK Austria Magna hat vor dem Arbeits- und Sozialgericht Wien ein Nachspiel. Die violette Fußball-Ikone, die im Dezember 2004 von Austria-Mäzen Frank Stronach als "mächtigster General Manager der Vereinsgeschichte" geholt, Ende Mai aber wieder verabschiedet worden war, ließ durch Rechtsanwalt Ernst Ploil gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber Klage einbringen. "Sie richtet sich gegen den Verein", bestätigte der Advokat am Mittwoch der APA.

Es gehe um einen bemessenen Streitwert von 250.000 Euro, was am Ende herauskomme, werde der Prozess ergeben. Ploil wies die in den Medien kolportierte Summe von zwei Millionen Euro als "völlig falsch" zurück. Er rechnet mit einem Betrag von bis zu einer Million. "Mein Mandant fordert die Zahlung des Entgelts bis 31. August 2005 und stellt fest, dass es keine Gründe für seine Entlassung gegeben hat und daher der Vertrag zu erfüllen ist", erklärte der Rechtsanwalt.

Der Kontrakt wäre noch bis 31. Dezember 2007 gelaufen und hätte Österreichs ÖFB-Team-Rekordtorschützen (44 Treffer) laut Poil ein monatliches Brutto-Fixum von 14.000 Euro plus eine Beteiligung aus den von Polster für den Verein geschlossenen Sponsor-Verträgen gebracht. "Polster hat den Vertrag auf Punkt und Beistrich erfüllt. Stronach hat sich aber mit ihm nicht vertragen, hat etwas anderes von ihm erwartet", meinte Ploil.

Die Behauptung der Gegenseite, die Trennung wäre "aus wichtigen Gründen" erfolgt, sei aus der Sicht des Anwalts nur vorgeschützt. "Wichtige Gründe sind im Angestellten-Gesetz dann gegeben, wenn man silberne Löffel stiehlt", so der 58-jährige Ploil, der in die Erklärung der Entlassung sowohl formale als auch inhaltliche Fehler entdeckt haben will. Die Kompetenzen in dem Vertrag seien zwar genau beschrieben gewesen, wären aber sofort unterlaufen worden.

Der Wiener Anwalt, der die erste Verhandlung Ende August erwartet, hält Polster als "halbes Opfer, was rund um den ehemaligen Austria-Teammanager Günter Kronsteiner" passiert ist. Der Steirer hatte vor Polster den regierenden Cupsieger ebenfalls vorzeitig verlassen. Polster selbst meinte zur nun eingebrachten Klage: "Ich bin enttäuscht, doch mir ist nichts anderes übrig geblieben." Ploil ist im Fußball kein Unbekannter, u.a. hat er an der Verpflichtung des belgischen Stürmers Axel Lawaree durch Rapid mitgeholfen.

Kraetschmer: "Schade, dass es so ist"
Inzwischen ist Austria Magna von der eingebrachten Klage seines früheren Arbeitnehmers Polster informiert worden. "Wir sehen das emotionslos. Es ist schade, dass es so gekommen ist. Wenn es nicht anders geht, müssen wir das akzeptieren", sagte Klubmanager Markus Kraetschmer ein einer ersten Reaktion auf APA-Anfrage.

Mit dem "Fall Polster" werden sich nun die Juristen und Arbeitsrechtsvertreter des ÖFB-Cupsiegers beschäftigen, sich die Klage genau anschauen und aufbereiten. Erste diesbezügliche Gespräche soll es bereits am Donnerstag geben. "Wenn die Fakten auf dem Tisch liegen, werden wir dazu Stellung nehmen", sagte Kraetschmer.

Der Quasi-Nachfolger Polsters meinte aber auch, dass er stets ein Freund des Konsens sei. "Mein Ziel ist immer eine einvernehmliche Lösung. Ich gebe die Hoffnung nie auf.", so der 33-jährige Wiener und fügt zur Trennung hinzu: "Das damalige Angebot von Frank Stronach war großzügig."

(apa/red)

12.7.2005 21:54