Ferrari gibt auf: Die Scuderia hakt die
WM 2006 jetzt ab - "Wir schaffen es nicht!"
- "Verbesserungen erscheinen & verschwinden wieder"
- Schumi-Kritik an Ferrari: "Sind rückwärts gegangen"
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Nach Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher hat auch Ferrari-Teamdirektor Jean Todt die Titelverteidigung so gut wie abgehakt. "Wir arbeiten und arbeiten, aber wir schaffen es nicht, uns kontinuierlich zu verbessern", sagte Todt der "La Gazzetta dello Sport". An eine Wende bei Schumachers Heimrennen in eineinhalb Wochen auf dem Hockenheimring glaubt der Franzose nicht mehr: "Wir werden zwar einige Neuigkeiten in der Aerodynamik haben, aber damit werden wir nicht allzu viel gutmachen können."
Rekord-Weltmeister Schumacher liegt nach elf von 19 Saisonrennen als Dritter der Fahrerwertung bereits 34 Punkte hinter dem spanischen Renault-Piloten Fernando Alonso. "Ich würde zwar gerne wirklichen Optimismus verbreiten können, und das ist momentan natürlich schwer. Aber wie heißt noch mal der schöne Spruch? Die Hoffnung stirbt zuletzt", erklärte Schumacher auf seiner Homepage. Unterstützung gab es von Todt, der seinen Starpiloten vor Kritik in Schutz nahm: "Er unterstützt das Team wie eh und je. Man darf aber keine Vergleiche mit der Vergangenheit ziehen, weil das Auto nicht mehr das selbe ist."
Besonders die schwachen Rennleistungen des F 2005 geben den Ferrari-Technikern Rätsel auf. "Die Verbesserungen erscheinen und verschwinden wieder innerhalb von nur zwei Tagen", sagte Todt. So hätten die Leistungen des Rennwagens in Silverstone am vergangenen Wochenende den Piloten am Freitag noch Hoffnungen gemacht, die sich im Rennen am Sonntag dann nicht bewahrheitet hätten. Schumacher kam auf Rang sechs, sein Teamkollege Rubens Barrichello wurde Siebter. Ähnlich sei es zuvor bereits beim Großen Preis von Frankreich gewesen. Da war Schumacher immerhin Dritter geworden, während Barrichello als Neunter keine WM-Punkte holen konnte.
Das Hauptproblem des F 2005 sei die schlechte Straßenlage. "Gemeinsam mit unseren Technikpartnern und Reifenlieferant Bridgestone arbeiten wir mit allen Kräften daran", sagte Todt. Trotz der derzeitigen Chancenlosigkeit des Titelverteidigers ist er fest davon überzeugt, dass Ferrari wieder zu alter Klasse zurückfinden wird. "Ich bin mir sicher, dass wir wieder siegen werden", sagte Todt.
"WM ist in weite Ferne gerückt"
Auch Rekordweltmeister Michael Schumacher hat nach dem Flop von Silverstone die Titelverteidigung abgehakt. Der Ferrari-Star ist zum Opfer der in dieser Saison nur noch mittelmäßigen Scuderia geworden. "Die WM ist sicherlich momentan in weite Ferne gerückt", räumte Schumacher nach seinem ernüchternden sechsten Platz beim Großen Preis von Großbritannien erstmals ein.
Doch nicht die 34 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Fernando Alonso beunruhigen den 36-Jährigen. Viel mehr gibt Schumacher zu denken, dass im Rennen die Distanz der "Roten" zu Renault und McLaren -Mercedes trotz aller Anstrengungen gewachsen ist: "Wir sind nicht auf dem Niveau unserer Konkurrenten. Die anderen haben scheinbar besser entwickelt als wir."
Wenn man sich Indianapolis, Magny-Cours und Silverstone anschaue, müsse man ganz klar sagen, "dass wir eher rückwärts als vorwärts gegangen sind", sagte der siebenfache Champion. Wie zuletzt in Frankreich auf Alonso wies Schumacher auch in England weit über eine Minute Rückstand auf Sieger Juan Pablo Montoya im McLaren-Mercedes auf.
Schumacher erlebt nach seiner Dominanz mit fünf WM-Titeln in Serie die schwierigste Zeit, seit er 1996 zu Ferrari kam. "Das ist eine Phase, die man durchlebt. Wir haben schon viel schlimmere Phasen durchleben müssen. Das ist zwar nicht so schön wie die letzten Jahre, aber ich kann damit ganz gut leben", behauptete er.
In den WM-Kampf kann Schumacher bei acht ausstehenden Rennen nicht mehr eingreifen, obwohl er mit 43 Punkten noch Dritter der Fahrerwertung ist. Alonso (77) baute seine Führung mit seinem zweiten Platz in Silverstone vor seinem Rivalen Kimi Räikkönen (51) aus, der Dritter wurde, obwohl dieser zum zweiten Mal hintereinander nach einem Motorschaden im Training von weit hinten gestartet war. Im Duell zwischen dem Spanier und dem Finnen Alonso geht es um mehr als den Titel. Sie kämpfen um Schumachers Erbe. (apa/red)
