Sonntag, 17. Juli 2005

Internationale Geberkonferenz: Dringender Hilfsappell von Iraks Regierung in Jordanien

  • Planungsminister: Lebensumstände bessern sich nicht

Unter dem Eindruck der eskalierenden Gewalt im Irak hat am Toten Meer eine internationale Geberkonferenz zum Wiederaufbau des Landes begonnen. An die Vertreter von UNO, Weltbank und 60 Geberstaaten richtete der irakische Planungsminister Barham Saleh am Montag im jordanischen Badeort Shouneh einen dringenden Hilfsappell: "Die Lebensumstände der Iraker verbessern sich nicht, was zu Frustration und Hass führt und die Unsicherheit nährt." Nur ein schneller und spürbarer Aufschwung des Landes könne den Zulauf für die Rebellen stoppen. Die anhaltende Instabilität erschwere eine effektive Bekämpfung der Korruption.

Bei der Eröffnung der zweitägigen Konferenz machten die Redner deutlich, dass die heikle Sicherheitslage im Irak vollends jeder Kontrolle entgleiten könnte, wenn Entwicklung und Wiederaufbau nicht vorankämen. Minister Saleh sagte: "Wenn Sie nur eine Botschaft von heute behalten, dann ist es diese: Bitte handeln Sie jetzt!" Der kanadische Diplomat und Ko-Vorsitzende der Konferenz, Michael Bell, warnte, wenn der Übergang im Irak nicht gelänge, "müssen wir die Konsequenzen für die Sicherheit in der Region und der Welt tragen". Der stellvertretende UN-Sondergesandte für den Irak, Staffan de Mistura, sagte, die nächsten sechs Monate entschieden über Erfolg oder Scheitern.

Auf der Geberkonferenz von Madrid 2003 waren dem Irak 33 Milliarden Dollar für den Zeitraum von 2004 bis 2007 zugesagt worden. Davon gaben die Geberländer bisher jedoch erst eine Milliarde frei, die zu gleichen Teilen auf zwei von der Weltbank und den Vereinten Nationen verwaltete Fonds aufgeteilt wurden. Als vordringlichste Aufgabe nannte Saleh die Wiederherstellung der Wasser- und Stromversorgung. Die Bevölkerung leide sehr darunter, dass die Versorgung nicht funktioniert. Derzeit produziere der Irak nur 5000 Megawatt Strom am Tag; benötigt würden aber 20.000 Megawatt.

Großbritannien will nach den Worten von Verteidigungsminister John Reid innerhalb der kommenden zwölf Monate mit dem Rückzug seiner im Irak stationierten Truppen beginnen. Weder sein Land noch die USA hätten "langfristige imperiale Ansprüche" im Irak, sagte Reid am Sonntagabend dem US-Fernsehsender CNN. (apa/red)

17.7.2005 22:15