Keine Einführung: Bayern und Nordrhein- Westfalen stoppen die Rechtschreibreform!
- Bayerns Stoiber will Übergangsfrist verlängern
Bayern und Nordrhein-Westfalen wollen als erste Bundesländer die für den 1. August vorgesehene verbindliche Einführung der Rechtschreibreform verschieben. Das berichtete der "Spiegel" vorab in seiner jüngsten Ausgabe.
Nach Rücksprache mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) erklärte Kultusminister Siegfried Schneider dem Bericht zufolge, er wolle die bisher geltende Übergangsfrist, in der neben den neuen auch die alten Schreibweisen gültig waren, "bis auf weiteres verlängern". NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers schloss sich der Entscheidung Bayerns an, schreibt der "Spiegel".
Stoiber forderte laut "Bild am Sonntag" die übrigen Länder zur Nachahmung auf. Zusätzlich zu Nordrhein-Westfalen gebe es bereits Gespräche mit Niedersachsen und dem Saarland.
Schneider und Rüttgers wollen dem Rat für deutsche Rechtschreibung entgegenkommen, der seit Ende vergangenen Jahres an Korrekturen des Reformwerks arbeitet und seine Beratungen noch nicht abgeschlossen hat. "Wir wollen den Empfehlungen des Rates zum Erfolg verhelfen", sagte Rüttgers dem "Spiegel".
Schneider geht davon aus, "dass der Rat innerhalb eines Jahres zu tragfähigen Lösungen kommen wird". Das 39-köpfige Expertengremium war von der Kultusministerkonferenz (KMK) nach heftiger öffentlicher Kritik an dem neuen Regelwerk eingesetzt worden.
Für Kernbereiche der Reform hatte der Rat bereits weit reichende Veränderungsvorschläge gemacht oder angekündigt. Sie laufen auf die Revision vieler neuer Regeln hinaus. Deshalb hatte die KMK am 2. Juni beschlossen, die Reform nur teilweise einzuführen.
Kultusminister für mehr Korrekturen
Die vom Rechtschreibrat beanstandeten Bereiche Getrennt- und Zusammenschreibung, Worttrennung und Zeichensetzung sollten erst später in die Neuregelung eingefügt werden. Allerdings hatte der Vorsitzende des Rates, der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Zehetmair (CSU), erheblich mehr Korrekturbedarf angemeldet, beispielsweise bei der Groß- und Kleinschreibung und der Schreibung von Fremdwörtern. Genau diese Teile erklärte die KMK jedoch für unstrittig und ab August für verbindlich. Schulen und Behörden hätten sich dann zu einem späteren Zeitpunkt wieder umstellen müssen.
Nun wollen Bayern und NRW, dass zumindest in ihren Ländern vorerst auch die bewährte Rechtschreibung neben der neuen gültig bleibt. Erst wenn der Rat seine Arbeit beendet hat, soll es eine "Reform aus einem Guss" geben, sagte Schneider dem "Spiegel".
(apa)
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