Samstag, 16. Juli 2005

Anschlag in türkischem Urlaubsparadies: Attentäterin sprengt sich in Kleinbus in Luft

  • Mindestens fünf Tote und 14 Verletzte in Kusadasi
  • Nach Explosion: Die kurdische PKK verurteilt die Tat

Bei der Explosion im türkischen Urlaubsorts Kusadasi sind am Samstag mindestens fünf Menschen getötet und 14 weitere verletzt worden. Zuvor war von vier Todesopfern die Rede. Unter den Toten sind nach Behörden-Angaben ein britischer und eine 17-jährige irische Touristin, sowie zwei Türken. Bei einer weiteren getöteten türkischen Jugendlichen handelt es sich nach Angaben der türkischen Behörden vermutlich um eine Selbstmordattentäterin, die die Bombe in einem Kleinbus zündete.

Der Gouverneur der Regionalverwaltung, Mustafa Malay, sagte: "Es besteht die Möglichkeit, dass der Sprengstoff in einem Paket gewesen ist. Wir ziehen aber auch die Möglichkeit eines Selbstmordanschlags in Betracht". Die Nachrichtenagentur Anadolu zitierte Berichte, nach denen die Frau den Sprengsatz auf ihrem Schoß gezündet hat. Später hieß es, die Bombe sei womöglich unter dem Sitz der Frau versteckt gewesen, ohne dass sie etwas davon gewusst habe.

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Es war der zweite in der Region innerhalb einer Woche: Am vergangenen Sonntag wurden 20 Menschen bei einem Anschlag verletzt, zu dem sich Extremisten der Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) bekannt haben. Die Gruppe will eigenen Angaben zufolge ausländische Touristen von Reisen in die Türkei abhalten, um dem Tourismus, einer der wichtigsten Erwerbsquellen des Landes, Schaden zuzufügen.

Bereits im August vergangenen Jahres traten die Freiheitsfalken Kurdistans mit Anschlägen auf zwei Hotels in Istanbul in Erscheinung, bei denen zwei Menschen getötet wurden. Bei den Freiheitsfalken soll es sich um Rebellen aus dem Umfeld der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) handeln, die Vergeltung für die Angriffe der türkischen Armee in den kurdischen Landesteilen üben.

Am Samstag wies jedoch ein kurdischer Rebellenkommandant alle Verdächtigungen über eine PKK-Urheberschaft der Explosion in Kusadasi zurück. Laut der in Deutschland beheimateten Nachrichtenagentur Mezopotamya verurteilte er die Tat.

Die Reiseveranstalter warten noch ab
Die Touristikkonzerne Thomas Cook und TUI, die allerdings keine Reisen nach Kusadasi anbieten, erklärten, sie würden zunächst die weitere Entwicklung in der Türkei beobachten. Ein Thomas-Cook-Sprecher erklärte, es gebe bis dato keine Hinweise darauf, dass sich die Gefährdung in der Türkei geändert habe. TUI-Sprecher Mario Köpers sagte, man werde am Montag entscheiden, wie eventuelle Umbuchungswünsche behandelt würden. Bisher gebe es aber nur sehr vereinzelt entsprechende Wünsche von Kunden.

Die Regierungen Großbritanniens und Irlands verurteilten die Tat. Der britische Außenminister Jack Straw erklärte, sein Regierung verurteile den "abscheulichen Akt", der das Leben vieler Unschuldiger gekostet habe. London stehe "Seite an Seite" mit der Türkei in ihrer Anteilnahme und in der Ablehnung, "Terroristen unsere Werte und unsere Freiheit zerstören zu lassen". Der irische Außenminister Dermot Ahern teilte in einer Stellungnahme mit, es gebe "keinerlei Rechtfertigung" für den "grausamen und sinnlosen Akt". Er rufe die türkische Regierung auf, die Verantwortlichen "mit äußerster Anstrengung" zu verfolgen.

(apa)

16.7.2005 10:22