Donnerstag, 14. Juli 2005

Trotz scharfer Sicherheitsvorkehrungen: Gewalt zum Nationalfeiertag in Frankreich!

  • Polizei: Rund 200 Autos in Paris in Brand gesteckt
  • Chirac: "Kein Land der Welt" vor Anschlägen sicher

Trotz strengster Sicherheitsvorkehrungen haben Randalierer am Donnerstag zum französischen Nationalfeiertag in Paris nach Polizeiangaben etwa 200 Autos in Brand gesteckt. Alarmiert durch die Londoner Anschläge vor einer Woche waren unter anderem bei der Militärparade auf den Champs-Elysees 5.000 Polizisten im Einsatz. Im traditionellen Fernsehinterview des französischen Staatschefs zum 14. Juli sagte Präsident Jacques Chirac, "kein Land der Welt" sei vor Anschlägen sicher, wie sie am 7. Juli in London verübt wurden.

Vor allem in den Vorstädten habe es in der Nacht gewaltsame Zusammenstöße zwischen Jugendlichen und den Ordnungskräften gegeben, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Mindestens zwei Polizeibeamte wurden demnach verletzt. Im nördlichen Vorort Stains wurde die Tür einer Synagoge durch eine Brandbombe beschädigt. Dutzende Menschen wurden in Gewahrsam genommen.

Auch Frankreich gedachte der Terror-Opfer
Zum Gedenken an die Opfer der Attentate in Großbritannien stand auch in Frankreich von 13:00 Uhr (MESZ) an das öffentliche Leben zwei Minuten lang still. Im Pariser Elysee-Palast hatte Chirac die Gäste seines Gartenfestes zum Nationalfeiertag gebeten, die beiden Schweigeminuten einzuhalten.

Begonnen hatte die Parade mit einer Vorführung der französischen Luftwaffe. Bei strahlendem Sommerwetter zeichneten Kunstflieger der "Patrouille de France" eine Trikolore in den Himmel über der Hauptstadt. Am Triumphbogen nahm Chirac anschließend an der Seite seines Ehrengastes, des brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva, das einstündiges Defilee von Vertretern aller Armeegattungen ab. Brasilien wird in diesem Jahr in Frankreich im Rahmen eines Kulturjahres besonders gefeiert.

Feuerwerke erinnerten an Erstürmung der Bastille
In zahlreichen französischen Städten war schon am Mittwochabend mit Feuerwerken und Konzerten an die Erstürmung der Pariser Bastille am 14. Juli 1789 erinnert worden. Damals waren etwa 900 Demonstranten in das Staatsgefängnis eingedrungen und hatten das Symbol königlicher Despotie in ihre Gewalt gebracht. Damit begann die Französische Revolution. Den Abschluss der Feiern soll ein Feuerwerk vom Eiffelturm bilden.

"Die furchtbare terroristische Bedrohung erfordert jeden Augenblick Mobilisierung und Wachsamkeit", hatte sich Chirac am schon am Vorabend des Nationalfeiertags an die Streitkräfte gewandt. Vor drei Jahren hatte ein Mann versucht, während der Feiern auf Chirac zu schießen. Im Kampf gegen den Terror müsse man sich "in völliger Übereinstimmung mit unseren Partnern" ständig an neue Methoden der Terroristen anpassen, sagte er in dem TV-Interview. Rund um Nationalfeiertag wurden an den Grenzen zum Schengen-Land Frankreich in der vergangenen Woche temporär wieder Grenzkontrollen durchgeführt. (apa/red)

14.7.2005 10:40