Mittwoch, 13. Juli 2005

Schweres Zugunglück im Süden Pakistans: Bis zu 200 Tote, mehrere hundert Verletzte!

  • Tödliche Kettenreaktion nach Missachtung von Signal
  • Drei Züge sind zusammengestoßen. PLUS: BILDER!

Ein tragischer Fehler eines Lokführers hat in Pakistan die Kollision von drei Schnellzügen und den Tod von mindestens 128 Menschen verursacht. Mehrere hundert der insgesamt rund 1.000 Fahrgäste wurden beim schwersten Zugunglück in dem asiatischen Land seit mehr als zehn Jahren verletzt. Die Katastrophe ereignete sich in der Nacht auf Mittwoch gegen 4.00 Uhr Ortszeit in der Nähe von Ghotki in der südlichen Provinz Sindh, rund 600 Kilometer nordöstlich von Karachi.

Der Lokführer des Schnellzugs von Lahore nach Karachi habe ein Signal missachtet und sei so auf den stehenden Personenzug nach Quetta aufgefahren, teilte der Direktor der Bahngesellschaft Pakistan Railways, Abdul Wahab Awan, mit. Drei Wagen wurden dabei auf ein anderes Gleis geschoben und von einem dritten Zug erfasst, der von Karachi nach Rawalpindi unterwegs war. Der Schnellzug nach Quetta hatte wegen eines technischen Problems außerplanmäßig im Bahnhof angehalten.

Der örtliche Polizeichef Agha Mohammed Tahir sprach von einer "grauenhaften Situation". An der Unglücksstelle hatten sich halbzerquetschte Waggons zu einem Berg aus Metall, Glassplittern und Leichenteilen zusammengeschoben. Rettungskräfte arbeiteten sich mit Metallschneidern mühsam durch die Trümmer vor, um zu den eingeschlossenen Fahrgästen vorzudringen. Überlebende suchten nach ihren Angehörigen. Auf den Gleisen lagen Eisenbahnräder, große Sprungfedern und weitere Zugteile herum. Daneben stapelten sich die in weiße Laken gehüllten Toten, die Verletzten mussten zum Teil mit Bussen in die umliegenden Krankenhäuser gebracht werden.

"Wir schliefen und wurden von einem lauten Knall geweckt", sagte die 22-jährige Suraya, die das Unglück überlebte. "Ich fiel auf den Boden. Dann hörte ich die Schreie." Ein Kameramann der Nachrichtenagentur AP, Naveed Zubairi, der mit seiner Familie nach Karachi unterwegs war und leicht verletzt wurde, beschrieb die Szenen der Verzweiflung nach der Kollision: "Meine Kinder schrien im Dunkeln. Mit meinem Mobiltelefon leuchtete ich die Umgebung ab. Es gab Verletzte. Ich stieg aus dem Wagen. Vier Wagen eines anderen Zuges lagen auf dem Nachbargleis auf der Seite, und die Leute darin riefen um Hilfe. Sie schlugen Fenster ein, um herauszukommen."

Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf sprach allen Betroffenen sein Beileid aus. Die Regierung werde die Unglücksursache untersuchen, versprach er im staatlichen Fernsehen. Mindestens 135 Menschen seien schwer verletzt. Ein Arzt in der nahe der Unfallstelle gelegenen Stadt Sukur berichtete von Patienten mit abgerissenen Gliedmaßen und schweren Kopfverletzungen.

Die pakistanische Eisenbahn gilt als technisch veraltet. Wiederholt kam es in der Vergangenheit zu Zugunglücken, die auf Materialdefekte oder menschliches Versagen zurückgeführt wurden. Zuletzt wurden am 5. März dieses Jahres fünf Menschen tödlich verletzt, weil ein Zug in der Provinz Punjab entgleiste.

(apa/red)

13.7.2005 07:07