Anschlag auf Konvoi des libanesischen Vizepremier: Mindestens eine Person getötet
- Schwiegersohn des Präsidenten wurde leicht verletzt
- PLUS: Neue libanesische Regierung dürfte stehen
Drei Wochen nach den Parlamentswahlen im Libanon hat der Verteidigungsminister und Vizepremier der amtierenden Übergangsregierung, Elias Murr, am Dienstag einen Bombenanschlag überlebt. Der pro-syrische christliche Politiker und Schwiegersohn von Staatspräsident Emile Lahoud wurde bei dem Attentat in der Nähe eines Einkaufszentrums im Norden von Beirut zusammen mit acht weiteren Personen in seinem Autokonvoi verletzt.
Das Attentat forderte nach Angaben des libanesischen Fernsehens zwei Todesopfer. Murr erlitt nach offiziellen Angaben Verwundungen im Gesicht und an den Händen.
Die Detonation war in weiten Teilen der libanesischen Hauptstadt zu hören. Ein Auto des Konvois wurde völlig zerstört. Mehrere Fahrzeuge sowie Gebäude der Umgebung wurden beschädigt. Die Bombe war nach ersten Informationen in einem abgestellten Auto versteckt. Es entstand ein Krater mit einem Durchmesser von rund zwei Metern. Unter den Verletzten ist auch die Ehefrau des mexikanischen Botschafters, die sich zufällig am Tatort aufhielt.
Im Februar war Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri bei einem verheerenden Anschlag in Beirut ums Leben gekommen. Anfang Juni fiel der prominente syrienkritische Journalist Samir Kassir einer Autobombe zum Opfer. Ende Juni starb der ehemalige libanesische KP-Chef Georges Hawi (Haoui) bei einem Sprengstoffanschlag.
Murr, der kürzlich ein Bündnis mit dem anti-syrischen Christenführer Ex-General Michel Aoun geschlossen hat, gehörte auch dem früheren Kabinett Hariri an, dessen Tod am 14. Februar zu großen Umwälzungen im Libanon geführt hatte. Die Massenproteste nach seiner Ermordung beschleunigten den Abzug der syrischen Truppen, der Ende April nach 29-jähriger Präsenz abgeschlossen wurde.
Syrische Regierung verurteilt Anschlag
Die syrische Regierung verurteilte am Dienstag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur SANA den Anschlag auf Murr als "terroristischen Akt mit dem Ziel, die Destabilisierung des Libanon herbeizuführen". Die Urheber solcher Akte seien "Feinde Syriens und des Libanon".
Libanesische Regierung so gut wie vollständig
Die Bildung der neuen libanesischen Regierung scheint unterdessen unmittelbar bevorzustehen. Sämtliche Hindernisse seien aus dem Weg geräumt, erklärte der amtierende Sozialminister Tarrad Hamade in der Nacht auf Dienstag. Die "Freie Patriotische Bewegung" (CPL) von Ex-General Aoun hatte zuvor ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem designierten Ministerpräsidenten Fouad Siniora erklärt, der von Staatspräsident Lahoud beauftragt worden ist, ein Kabinett der "nationalen Verständigung" unter Einschluss "aller Kräfte" auf die Beine zu stellen. Aouns Block, in dem anti- und pro-syrische Christen zusammengeschlossen sind, verfügt über 21 der 128 Parlamentssitze.
Lahoud hatte nach den Parlamentswahlen auf Vorschlag der von Hariris Sohn Saad angeführten Mehrheitskoalition den ehemaligen Finanzminister Siniora mit der Bildung der ersten nicht von Syrien beeinflussten Regierung seit dem Bürgerkrieg (1975-90) betraut.
(apa/red)
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