Schwere Explosion in Einkaufszentrum: 20 Tote bei Brandanschlag im Norden Russlands
- Streit unter rivalisierenden Geschäftsleuten
- Polizei schloss Terroranschlag als Ursache aus
Bei einer Explosion und einem anschließenden Brand in einem Einkaufszentrum der nordrussischen Stadt Uchta sind am Montag mindestens 24 Menschen getötet worden. Wie ein Sprecher des Katastrophenschutzministeriums mitteilte, wurden 17 Menschen verletzt, fünf von ihnen schwer.
Die Ursache der Tragödie lag zunächst im Dunkeln. Die regionale Staatsanwaltschaft schloss Brandstiftung nicht aus. In Berichten russischer Nachrichtenagenturen war von einer möglichen Gasexplosion die Rede. Als Tatmotiv wurde ein Streit unter rivalisierenden Geschäftsleuten genannt.
Die Explosion in dem zweistöckigen Einkaufszentrum ereignete sich in den Mittagsstunden, wie der Sprecher weiter mitteilte. Etwa 30 Menschen seien vor dem sich ausbreitenden Feuer in Sicherheit gebracht worden. Die 100.000-Einwohner-Stadt Uchta befindet sich in der ölreichen Komi-Region, etwa 1.200 Kilometer nordöstlich von Moskau.
Ein Reporter des russischen Fernsehsenders NTW berichtete, einige Besucher seien nach der Explosion in dem Einkaufszentrum eingeschlossen gewesen und hätten vergeblich versucht, durch die mit Gitterstäben verschlossenen Fenster in die Freiheit zu gelangen.
Augenzeugen erzählten, die ersten Krankenwagen seien ohne die erforderliche Ausrüstung, ohne Verbandsmaterial und ohne Medikamente am Unglücksort eingetroffen. Am frühen Abend stürzte das Dach des Gebäudes ein. In den Trümmern wurden weitere Opfer vermutet, die von Rettungsteams mit Spürhunden gesucht wurden.
Die russische Nachrichtenagentur Ria-Novosti zitierte einen ranghohen örtlichen Polizeibeamten, demzufolge eine im Einkaufszentrum zum Verkauf angebotene Gasflasche versehentlich explodierte. Ein von der Nachrichtenagentur Intefax zitierter Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft sagte, möglicherweise habe es um einen "Akt der Abrechnung" gehandelt. Der Brand sei möglicherweise durch einen in das Geschäft geworfenen Behälter mit Brennmaterial ausgelöst worden. Verantwortlich dafür könnten zwei Jugendliche sein, nach denen gefahndet werde.
In Russland kommen immer wieder Unschuldige bei Auseinandersetzungen krimineller Banden oder Geschäftsleute ums Leben. Als schlimmster Fall derartiger Rivalitäten galt bisher der Bombenanschlag in einer Unterführung des Moskauer Puschkin-Platzes vor fünf Jahren. Durch die Explosion vor einer Ladenzeile kamen im August 2000 insgesamt 13 Menschen ums Leben, 118 wurden verletzt.
Die Stadt Uchta liegt 1.300 Kilometer nordöstlich von Moskau am Ural-Gebirge. Die Region gilt auf Grund von Öl- und Gasvorkommen für russische Verhältnisse als reich.
(apa)
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