Sonntag, 17. Juli 2005

Wiener Bürgermeister Michael Häupl: "Hackl ins Kreuz" als eine Spezialität der Volkspartei!

  • Rathausmann im Wiener Wahlkampf gegen Bund
  • Der 55-Jährige tritt zum dritten Mal in Hauptstadt an

Michael Häupl geht sichtlich gelassen in die kommende Wien-Wahl. Sämtliche Umfragen prophezeien, dass die SPÖ weiter zulegen wird - und das, obwohl sie bereits jetzt über die absolute Mandatsmehrheit verfügt. Die Situation unterscheidet sich klar von der ersten Wahl, die Häupl im Jahr 1996 als Wiener Bürgermeister und SP-Chef zu schlagen hatte. Damals verloren die Sozialdemokraten ihre Absolute, was vor allem am Aufstieg der FPÖ lag.

Häupl schmiedete daraufhin eine Koalition mit der ÖVP, die eine Legislaturperiode dauerte. Nach der Wahl 2001 war der frühere Zustand wieder hergestellt, die SPÖ brauchte keinen Regierungspartner mehr. Gewonnen hat Michael Häupl auch einen neuen Gegner: Die schwarz-blaue Bundesregierung. Und auch jetzt macht der oberste Rathausmann keinen Hehl daraus, dass er sich in den kommenden Wochen mehr dem Bund als der Wiener Opposition widmen wird.

In der Politik nicht "Sensibilität eines Kinderpsychiaters"
Der Wiener SPÖ-Chef ortet bei der ÖVP eine besondere Tendenz, anderen in der politischen Auseinandersetzung das "Hackel ins Kreuz" zu werfen. Die SPÖ dagegen sei organisatorisch zum "Dirty Campaigning" gar nicht in der Lage, erklärte er im Interview mit der APA. Häupls Ziel für die Wiener Landtagswahl ist ein Zuwachs beim Stimmanteil. An einen Wiedereinzug des BZÖ glaubt er nicht.

Angst vor einem schmutzigen Wiener Wahlkampf hat Häupl nicht, auch wenn der SP-Vorschlag für ein Fairnessabkommen an der ÖVP gescheitert sei. "Mein Gott, wenn man sich entschieden hat, in die Politik zu gehen, darf man nicht die Sensibilität eines Kinderpsychiaters haben", so der Bürgermeister. Seine Partei wolle keine Schlammschlacht: "Aber sollten andere das machen, werden wir uns sicherlich zu wehren wissen."

Dass die SPÖ-Kritik am "Wahlkampf-Knigge" der steirischen ÖVP heuchlerisch sei, weil sich auch die Sozialdemokraten ähnlicher Methoden im Internet-Wahlkampf bedienten, wies Häupl zurück: "Das glaube ich nicht, und zwar nicht, weil sie moralisch um so vieles höher stehend sind, sondern weil sie organisatorisch dazu nicht in der Lage sind."

Ob er damit die Parteiorganisation und speziell Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos angreife? "Nein, das war sicher keine Kritik", beteuerte er: "Ich bin ja froh darüber, dass die SPÖ gerade auf Bundesebene gar nicht über die Strukturen verfügt, um ein 'Dirty Campaigning' zu machen. Das setzt nämlich voraus, dass man weiß, wo man mit dem 'Dirty Campaigning' ansetzen muss, und diesen Analyseapparat, den hat die SPÖ nicht. Und ich füge hinzu, das ist kein Vorwurf, sondern ich sage Gott sei Dank."

ÖVP mit Hang zu "gartsigen Geschichten"
Einen Hang zu "garstigen Geschichten" ortet Häupl bei der ÖVP: "Ich gebe nur das Stichwort Klestil. Wenn einem ein solches Hackel ins Kreuz fliegt, um es einmal bildhaft auszudrücken, dann braucht man sich nicht weit umschauen. Das kommt immer aus der Nähe, weil Hackeln fliegen nicht weit."

Die SPÖ agiere da ganz anders, und das betreffe auch seine eigene Kritik am geschäftsführenden SP-Klubobmann Josef Cap. "Wenn mir etwas nicht passt, sage ich es. Und nur, weil ich Kritik übe, heißt das ja noch nicht, dass ich den Menschen loswerden will". Entsprechende Interpretationen seien "völliger Mist", betonte er.

Häupls Ziel ist ein Stimmenzuwachs
Häupls Ziel bei der Wien-Wahl ist es, stärker zu werden. "Wenn ein Plus davor steht, ist es ein Sieg, wenn ein Minus davor ist, ist es eine Niederlage." Wichtig sei die Mobilisierung der potenziellen SPÖ-Wähler: "Je optimaler uns das gelingt, desto besser wird das Wahlergebnis." Auf den Wahltermin am 23. Oktober will er sich erst "zu einem eher späteren Zeitpunkt", also Ende August, endgültig festlegen. Dass das BZÖ den Wiedereinzug in das Stadtparlament schaffen könnte, glaubt Häupl nicht, selbst wenn Peter Westenthaler doch noch als Spitzenkandidat fungieren würde.

Nach der Wahl will der Wiener SPÖ-Chef "allen konstruktiven politischen Kräften" die Zusammenarbeit anbieten. "Für destruktiv halte ich Ausländerfeindlichkeit, Rassismus, Ausgrenzung und politisches Kleingeld sammeln zu wollen zu Lasten der Schwächsten in unserer Gesellschaft", so Häupl in Richtung FPÖ.

Häupl gilt als Politiker, der gerne wahlkämpft - auch wenn er die Vorverlegung der Wien-Wahl auf Herbst ausgerechnet damit begründet hat, dass der Wahlkampf in Wien verkürzt werden sollte. Vor dem Urnengang und den intensiven Wochen davor, wird sich der Wiener Bürgermeister erholen, und zwar so wie jedes Jahr in der Toskana.

(apa)

17.7.2005 07:56