NEWS: "Ninas Bar" droht nach jahrzehnte-
langer Tradition der Koitus interruptus
- Wiens legendäres Nobelbordel steht vor dem Abriss
- Madame Nina hat Aufforderung zur Räumung erhalten

Sie ist eine Institution wie weiland die literarisch verewigte Josefine Mutzenbacher. Madame Nina, Schirmherrin der gleichnamigen Wiener Nachtbar und Mutter unzähliger Rotlichtgenerationen, hat in ihrem Etablissement zahlungskräftige Stars von Hollywood bis Simmering horizontal beherbergt. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Denn das Haus, in dem die roten Laternen seit 25 Jahren weithin sichtbar leuchten, soll jetzt abgerissen werden. Das fordert zumindest der neue Hausbesitzer.
Ende 2002 hat die Lenikus Liegenschaftsverwaltung das Haus am Wiener Bauernmarkt 21 gekauft. Damit laut Nina das "ganze Drama angefangen".
Anfang Juni wurde schließlich auch Madame aufgefordert, ihre Sachen zu packen. Nina: "Wir erhielten einen Brief, in dem stand, dass ein Einsturz des Hauses nicht mehr ausgeschlossen werden könne und wir mit 25. Juni ausziehen müssten." Doch davon wollte die streitbare Nachtklubchefin nichts wissen. Sie verständigte die Baupolizei - und siehe da: Man fand keinen Hinweis auf ein statisches Problem.
Streit um Ablöse
"Herr Lenikus hat uns 300.000 Euro für unsere drei Lokale (neben Ninas Bar gehören auch ein mongolisches und ein italienisches Restaurant zum Imperium von Nina und ihrem Mann Baldur Janousek) angeboten. Das ist geradezu lächerlich." Die Nachtklubkönigin fordert jedenfalls 1,4 Millionen Euro.
Broadway-Bar als Schützenhilfe
In ihrem Kampf um den Erhalt des Hauses ist Nina aber nicht allein. Neben ihr hat noch ein zweiter verbliebener Mieter den Kampf gegen den neuen Hausbesitzer aufgenommen: Bela Koreny, Chef der mindestens ebenso legendären Broadway-Piano-Bar, wo Stars wie Billy Joel oder Julian Rachlin zu den Stammkunden zählen. "Es war immer klar, dass uns der neue Besitzer loswerden wollte", erzählt Koreny. "In zweieinhalb Jahren wurde meine Miete um 2.000 Euro erhöht. Dann erhielt ich eine Zahlungsaufforderung per Post, obwohl die Postkästen nicht zugänglich waren. Ich konnte also kein Geld überweisen und bekam prompt die Räumungsklage."
Neubau billiger als Sanierung. Die beiden vom Rauswurf bedrohten Lokalbesitzer orten freilich längst die Motive des neuen Hausbesitzers. "Ein Neubau ist billiger als die Sanierung des Altbaus", betont Ninas Mann Baldur Janousek. "Darüber hinaus ist man dann auch nicht an das Mietrecht gebunden und kann höhere Mieten verlangen."
Doch selbst die Stadt Wien kann dagegen wenig tun. "Das Haus steht nicht unter Denkmalschutz. Ein Abriss kann also erfolgen, wenn technische oder wirtschaftliche Gründe dafür vorliegen", weiß Martin Orner.
Die ganze Story lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von NEWS!
