Mittwoch, 13. Juli 2005

"Bonus" für gute Schüler: Unis in Graz & Innsbruck überlegen 'numerus clausus light'

  • Gute Matura soll Startvorteil bei Platzvergabe bringen
  • 100 Deutsche inskribierten an der Medizin-Uni Wien

An den Medizinuniversitäten in Graz und Innsbruck sollen künftig auch die Schulnoten bei der Studienzulassung mitentscheiden. Wer mit gutem Erfolg maturiert, soll einen "Bonus" bei der Platzvergabe erhalten. Dies wäre eine Art "numerus clausus light".

Das berichtet der "Standard" (Mittwoch-Ausgabe). Gilbert Reibnegger, Vizerektor für Lehre an der Medizinuni Graz, will aber nicht vom Numerus clausus im klassischen Sinn sprechen. Allerdings "zwingt uns die EU eigentlich dazu, das numerus clausus-Modell des großen Bruders zu übernehmen". Auch Helga Fritsch, Vizerektorin an der Medizinuni Innsbruck, sieht die Berücksichtigung der Maturanoten als "faire Möglichkeit", die Studenten auszuwählen. Dies könnte durch die Vergabe von Bonuspunkten geschehen.

Rektorenchef Christoph Badelt erklärt ebenfalls im "Standard", notwendig sei ein seriöses Auswahlverfahren. Das EuGH-Urteil habe dazu geführt, dass "wir jetzt endlich über die Illusion rund um den freien Hochschulzugang reden". Dabei gehe es um die "Illusion, dass jeder alles studieren kann auf Staatskosten, was er oder sie will, und dass es keinerlei Engpässe geben darf".

Erste Deutsche an Medizin-Uni Wien inskribiert
Früher als erwartet haben sich die ersten deutschen Studenten an der Medizinischen Universität Wien inskribiert. Insgesamt waren am Mittwoch bereits mehr als 100 Deutsche zugelassen, hieß es aus der Medizin-Uni. Ursprünglich war erst frühestens Ende der Woche mit der Inskription der ersten Numerus-Clausus-Flüchtlinge aus dem Nachbarland gerechnet worden.

Von den 1.560 Plätzen an der Medizin-Uni sind insgesamt rund 1.260 vergeben. Die restlichen 300 werden nach dem Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" vergeben.

Damit beginnt nun der Endspurt um die letzten Plätze. Rund 1.500 Vorangemeldete haben noch die Chance auf 300 Studienplätze. Dabei gilt es, nach Einzahlung der mit der Vorerfassung ausgesandten Zahlscheine mit der Bestätigung möglichst schnell in der Studienabteilung zu erscheinen und zu inskribieren.

SPÖ wirft Gehrer Wortbruch vor
"Wortbruch" wirft SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal Elisabeth Gehrer im Zusammenhang mit der Situation an den Universitäten vor. So habe die Ministerin im Vorfeld des Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) den möglichen Zustrom deutscher Numerus-Clausus-Flüchtlinge stets als gering eingeschätzt, während sie sich nun "nicht überrascht vom Andrang" zeige. Nichts übrig geblieben sei auch von der Position Gehrers, dass Maturanoten nicht als Kriterium für die Aufnahme an Unis herangezogen werden, so Broukal in einer Aussendung am Mittwoch.

"Ministerin Gehrer sagt heute das Eine und beschließt morgen etwas völlig Anderes. Die Studierenden wissen nicht, woran sie sind. Sie können sich auf nichts und niemanden verlassen, da diese Regierung keine Handschlagqualität hat", meinte Broukal. Ebenfalls wortbrüchig sei Gehrer bei der Anzahl der Fächer geworden, für die es nun Beschränkungen geben kann. Statt solche nur in jenen sechs Fächern zu ermöglichen, wo es in Deutschland einen Numerus Clausus gibt, seien es nun acht Studienrichtungen geworden, "zwei davon aus reiner Willkür". Schließlich würden nun nicht nur Studienanfänger von möglichen Zugangsbeschränkungen betroffen sein, sondern alle Studenten dieser acht Fächer, etwa wenn sie vom Bakkalaureat- auf ein Magisterstudium umsteigen.

Für Schüssel ist Qualitätsauslese notwendig
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) hat eine Qualitätsauslese für den Uni-Zugang als notwendig bezeichnet. Im "Standard" (Donnerstag-Ausgabe) sagt Schüssel, dies stehe auch nicht im Widerspruch zur Offenheit der Universitäten, "denn Qualität und Leistung sind dort eigentlich das oberste Prinzip". Zu den Turbulenzen, die das EuGH-Urteil zum Hochschulzugang in Österreich verursacht hat, meinte Schüssel, "es gab genügend Vorbereitungszeit für die Universitäten".

Niemand von den Unis könne sagen, die Politik habe sie im Stich gelassen. Das Urteil betreffe außerdem "nur ein Prozent der österreichischen Studenten". Skeptisch steht Schüssel der Möglichkeit gegenüber, als Kriterium für die Zulassung zu einem Studium die Maturanoten heranzuziehen. "Das ist in Deutschland der Fall, nicht in Österreich. Wir haben einen anderen Weg gewählt, nämlich über Eingangssemester, in denen über Qualitätskriterien eine Auswahl getroffen wird".

(apa/red)

13.7.2005 08:58