Montag, 11. Juli 2005

Nach Aussagen über Evolutionstheorie: Kardinal Schönborn weist die Kritik zurück

  • Kardinal sorgt in "Times"-Kommentar für Aufregung
  • Schöpfungslehre & Evolution stehen sich nicht im Weg

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn will nach seinen Aussagen zur Evolutionstheorie nicht mit US-amerikanischen Kreationisten gleichgesetzt werden. Versuche, die Stellungnahme Schönborns "in die Ecke der 'Kreationisten' zu stellen" würden beim Kardinal ein "mildes Lächeln" auslösen, hieß es am Montag in der katholischen Presseagentur "Kathpress". Für eine Stellungnahme gegenüber der APA war Schönborn vorerst nicht erreichbar.

Schönborn hatte vergangene Woche in der "New York Times" Kritik an so genannten "Neo-Darwinistischen" Evolutionstheoretikern geübt. Deren Theorien würden versuchen, die Existenz eines "Designs" bei der Entstehung des Lebens wegzuerklären. Für Schönborn sind derartige Theorien "Ideologie, nicht Wissenschaft".

Via Kathpress verteidigt Schönborn seine Aussagen: Es gehe ihm nicht um die Evolutionstheorie als solche, sondern um "Grenzüberschreitungen" einer Wissenschaft und um die Frage, "ob die Evolution 'ziel-los' oder 'zielgerichtet' ist". Schon Papst Pius XII. habe 1950 in seiner Enzyklika "Humani Generis" darauf hingewiesen, dass die Erörterung des Erklärungsmodells "Evolution" vom Glauben nicht behindert wird, wenn diese Diskussion im Rahmen der naturwissenschaftlichen Methode und ihrer Möglichkeiten verbleibt.

Einmal mehr verweist Schönborn auch auf Papst Johannes Paul II. Dieser habe 1985 festgestellt, dass "recht verstandener Schöpfungsglaube und recht verstandene Evolutionslehre einander nicht im Weg stehen": Evolution setzte Schöpfung voraus; Schöpfung stelle sich im Licht der Evolution als ein zeitlich erstrecktes Geschehen dar, in dem Gott als der "Schöpfer des Himmels und der Erde" den Augen des Glaubens sichtbar wird.

"Inakzeptabel" ist es für Schönborn allerdings, "wenn eine wissenschaftliche Theorie zum 'Dogma' wird, das nicht mehr hinterfragt werden darf". Die Unterscheidung wissenschaftlicher Aussagen von "weltanschaulichen Extrapolationen" sei Aufgabe von Philosophie und Wissenschaftstheorie. Welche Wissenschafter er konkret kritisiert, sagt Schönborn nicht.
(apa)

11.7.2005 12:41