Montag, 4. Juli 2005

Gebrauchtwagentest in NÖ: Nur 2 von 39 Verkaufsgesprächen sind seriös verlaufen!

  • Anlass für AK-Test: 643 Anfragen & Beschwerden!
  • Autopreise lagen meist 18 % über dem Eurotax-Wert

Ein ernüchterndes Ergebnis lieferte ein von der Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ) durchgeführter Gebrauchtwagentest. Insgesamt wurden bei 39 Händlern in Niederösterreich und den Wiener Randbezirken Verkaufsgespräche geführt. Die Bilanz fiel bei den Konsumentenschützern "teilweise erschütternd" aus:

Bei lediglich zwei Unternehmen seien die "Verhandlungen" korrekt und seriös abgelaufen. "Wir haben in der ersten Jahreshälfte 643 Anfragen und Beschwerden erhalten, das hat uns zu diesem Test veranlasst", berichtete AKNÖ-Vizepräsident Peter Stattmann am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien. Fünf Konsumentenschützer waren rund einen Monat unterwegs, 54 Autos haben sie unter die Lupe genommen. Bei 45 Fahrzeugen lagen die ausgewiesenen Preise durchschnittlich 18 Prozent über dem Eurotax-Wert ("Listenpreis"). Ein "Ausreißer" schaffte sogar 109,75 Prozent.

Ankauftest ratsam
Um möglichen bösen Überraschungen vorzubeugen, riet Stattmann, vor dem Kauf eines Gebrauchtwagens "unbedingt einen Ankaufstest bei einem Autofahrerclub oder einer Fachwerkstätte des Vertrauens" durchführen zu lassen. Lehnt ein Händler so einen Ankaufstest ab, dann gilt: "Finger weg". Kfz- und Finanzexperte Ernst Hafrank empfahl: "Beim Kauf Zeit lassen, mehrere Angebote einholen." Auch der Gewährleistung sollten die Kunden verstärkt ihre Aufmerksamkeit widmen: "Sie ist gesetzlich geregelt, beträgt zwei Jahre und kann einvernehmlich auf ein Jahr reduziert werden - aber sicher nicht mehr", warnte Hafrank.

Trickreiches Umgehen der Richtlinien
Bei Finanzierungsangeboten hatte ein Großteil der Händler die Richtlinien "trickreich umgangen und zum Teil schwer gegen das Konsumentenschutzgesetz verstoßen". Kredite sollten deshalb nur nach Rücksprache mit der jeweiligen Hausbank der Käufer abgeschlossen werden. Fazit der AKNÖ-Gebrauchtwagentester: "Zahlreiche Händler wollen entweder bewusst nicht über die gesetzlichen Bestimmungen aufklären - oder kennen sich selbst nicht aus. Die Ergebnisse waren teilweise erschütternd. Manche Autokäufe können die Geldbörse nachhaltig schädigen - in einigen Fällen sogar die Gesundheit." (APA/red.)

4.7.2005 12:02