Freitag, 8. Juli 2005

Porsche und Pago statt Kylie & Co: Die Musikindustrie sucht neue Absatzwege

  • FORMAT: EMI liefert Firmen den Sound zum Produkt
  • Ö-Musikmarkt ist seit 2001 um 25% eingebrochen

Musik: Porsche und Pago statt Kylie & Co. Die vom Download-Boom gebeutelte Musikindustrie sucht neue Absatzwege: EMI liefert Firmen den Sound zum Produkt.

Das ist supercool. Das mache ich auch immer", bekannte Sänger Robbie Williams in einem Interview freimütig. Und der Mann, der eigentlich für den Verkauf von CDs bezahlt wird, ist nicht der einzige Anhänger illegaler Musikdownloads aus dem Internet. "Allein in Österreich ist der Musikmarkt in den vergangenen vier Jahren um rund 25 Prozent eingebrochen", sagt EMI-Music-Boss Albert Manzinger, "ein Minus von gut achtzig Millionen Euro."

Mittlerweile hat auch die Industrie erkannt, dass die Musik jetzt im Netz spielt, die großen Labels arbeiten an der Etablierung legaler Download-Plattformen. Allerdings entlockt deren neu gefundene Netzaffinität den Kassen bis jetzt nur leise Töne: Überschaubare 2,5 Prozent seines Umsatzes macht EMI international mit der digitalen Sparte. "In Österreich ist der Anteil ein wenig höher. Aber natürlich ist das viel zu wenig, um die Verluste, die die Musikindustrie erlitten hat, auszugleichen", so Manzinger.

Neue Absatzkanäle
Grund genug für Manzinger, neue Absatzkanäle zu suchen, die die Kassen etwas lauter klingeln lassen: B2B heißt das Zauberwort, mit dem EMI Österreich bereits zehn Prozent des Umsatzes macht. "Wir kooperieren mit Unternehmen, die den Emotionalisierungseffekt der Musik für ihre Produkte nutzen", erklärt der EMI-Chef das Konzept.

Ein Album mit fernöstlicher Musik für Austrian zum Start der neuen Verbindung nach Bombay, Klassik für die Mitglieder des ÖAMTC oder Indisches zur Promotion der neuen Fruchtsaftsorte Pago Guave - EMI verspricht für jedes Produkt den richtigen Sound. Dass sich so auch Geld verdienen lässt, zeigt ein Blick auf Manzingers Bürowände: Neben Kylie Minogue und Robbie Williams hängt dort Dreifach-Gold für die CD zum 40-jährigen Jubiläum des Porsche Carrera 911. "Das war eine der ersten Kooperationen dieser Art", erinnert sich Manzinger. "Der enorme Erfolg dieses Produkts hat uns überhaupt erst ermutigt, weiter in dieses Segment zu investieren." Trotzdem bleibt er vorsichtig: "Die B2B-Schiene lebt von einzelnen Großprojekten und ist besonders schwer planbar. Wir bleiben deshalb bei der Einnahmenplanung konservativ." Der Preis für so eine CD liegt je nach Auflage und Titel zwischen einem und zehn Euro.

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8.7.2005 09:06