Auswirkungen der Anschläge in London: Finanzmärkte erholen sich bereits wieder!
- Britischer Leitindex FTSE sogar mit Wochenplus
- Wochenbilanz für Frankfurter DAX leicht rot
Eine Serie von Terroranschlägen in London hat am Donnerstag an den Finanzmärkten große Unsicherheit ausgelöst und die Börsenkurse europaweit zeitweise deutlich ins Minus rutschen lassen. Nach zunächst starken Kursturbulenzen konnten sich die Märkte aber wieder erholen, die Verluste konnten großteils wieder wettgemacht werden.
An der Londoner Börse beendete der FTSE 100 die Handelswoche sogar mit einem Plus von 1,3 Prozent. Positiv fiel auch die Bilanz beim EuroStoxx 50 mit einem Wochenplus von 0,3 Prozent aus. An der Frankfurter Wertpapierbörse blieben die Aktienkurse hingegen im roten Bereich: Im Wochenvergleich gab der DAX um 0,6 Prozent nach.
International standen am Tag der Anschläge vor allem Aktien von Versicherern, Airlines und der Tourismus-Branche unter erhöhtem Abgabedruck. Belastet wurde der Markt diese Woche zum Teil auch von den hohen Ölpreisen, ein Fass kostet bereits mehr als 60 Dollar. Während Aktien der großen Ölkonzerne erneut zulegen konnten, gerieten ölpreisempfindliche Branchen (wie die Papiere von Chemiekonzernen und Reifenherstellern) unter Druck.
Die US-Börsen bewegten sich diese Woche trotz der Anschläge in der Finanzmetropole London unterm Strich in positivem Terrain. Auch hier ließ die allgemeine Ansicht am Markt, die Anschläge hätten keine Auswirkungen auf Wirtschaft und Unternehmensgewinne, die Kurse nach anfänglichen Verlusten wieder ins Plus drehen. An der Wall Street lag der Dow Jones am Freitag gegen 17 Uhr MESZ um 0,7 Prozent über dem Niveau der Vorwoche. In Japan beendete der Nikkei-Index die Börsenwoche mit einem kleinen Minus von 0,6 Prozent.
Börsewoche endet auch in Wien glimpflich
Glimpflich ist eine turbulente Woche für die Wiener Börse zu Ende gegangen. Trotz der Anschläge in London, die böse Erinnerungen an die Terror-Akte in den USA und Spanien wachriefen und am Donnerstag für einen kurzfristigen Kurseinbruch sorgten, konnte der ATX das Niveau der Vorwoche gut behaupten. Unter dem Strich gab es für den Leitindex sogar ein geringfügiges Wochenplus von 0,2 Prozent auf 3.095,55 Punkte.
Die Rückschläge vom Donnerstag konnten wettgemacht werden. Im Einklang mit den europäischen Börsen-Indizes war auch der ATX nach Panik-Verkäufen stark nach unten gerasselt (bis auf rund 2.970 Punkte), ehe noch am selben Tag eine Erholung einsetzte. Die meisten Börse-Experten sprachen denn auch von einer raschen Rückkehr zur Normalität, weil die Auswirkungen der Anschläge - so tragisch sie auch sein mögen - realwirtschaftlich keine Bedeutung hätten.
Mit neuen Rekordständen an der Wiener Börse - den bisher letzten gab es am Montag bei 3.114,18 Punkten - könnte es vorerst freilich vorbei sein. Nach Einschätzung der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) ist die Luft beim ATX draußen, das Kurspotenzial im zweiten Halbjahr stark begrenzt. Argumentiert wird, dass die Chancen für weitere Gewinnüberraschungen der Unternehmen momentan zu gering sind und es dem Markt damit an neuen Impulsen fehlt. Die Erste Bank rechnet für die kommende Woche mit einer ATX-Bandbreite von 3.050 bis 3.150 Punkten.
Die OMV-Aktien zeigten sich in der abgelaufenen Woche um 3,9 Prozent fester. Ebenso wie Schoeller-Bleckmann Oilfield (SBO), die sogar um 7,4 Prozent zulegten, konnte der Titel vom steigenden Ölpreis profitieren. Am Montag führt die OMV ihren Split im Verhältnis 1:10 durch, um die Aktie optisch billiger zu machen und die Liquidität zu erhöhen.
Geschlossen im Minus waren diese Woche die Bankwerte: Bank Austria gaben um 1,6 Prozent nach, Erste Bank um 2,7 Prozent und Raiffeisen International um 3,2 Prozent. Die Erste prüft die mehrheitliche Übernahme der rumänischen Großbank BCR und hat dafür eine Absichtserklärung deponiert. Die Bank Austria hat sich indes aus dem Rennen um die BCR genommen, weil sie sich in Rumänien bereits gut aufgestellt sieht und mit der Fusion ihrer Mutter HypoVereinsbank mit der UniCredit künftig die Rumänien-Aktivitäten der Mailänder dazubekommt. Raiffeisen ringt indes weiter um den Kauf der ukrainischen Aval Bank, die Verhandlungen ziehen sich. An der Übernahme hält die RZB-Osttochter weiter fest.
Weiter gesucht waren zuletzt vor allem BWT, die ein Wochenplus von 9,5 Prozent einfahren konnten. Betandwin verteuerten sich um 5,9 Prozent und Palfinger um 3,6 Prozent. Andritz (minus 4,5 Prozent) hingegen war im ATX größter Wochenverlierer. Bei Flughafen Wien ging es um 2,2 Prozent nach unten, der AUA-Kurs blieb stabil.
Bei voestalpine stieg der Aktienkurs im Wochenvergleich um 1,1 Prozent. In Kürze wird der staatliche Einfluss bei dem Stahlkonzern endgültig der Vergangenheit angehören. Die ÖIAG hat am Freitag bekannt gegeben, dass ihr Anteil auf unter 3 Prozent gesunken ist. Bereits in den kommenden Wochen sei mit einer vollständigen Wandlung der ÖIAG-Umtauschanleihe auf Voest-Aktien zu rechnen, hatte es zuvor geheißen.
(apa/red)
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