Montag, 4. Juli 2005

"Paco" Wrolich: 31-Jähriger steigt vom Helfer in die Mitte der Sprintelite auf!

  • Kärntner bleibt bescheiden: "Kirche im Dorf lassen"

Peter Wrolich hat österreichische Radsport-Geschichte geschrieben. Der Kärntner fuhr als erster Österreicher der Nachkriegszeit einen zweiten Etappenplatz bei der Tour de France heraus. Dabei war der 31-jährige Klagenfurter beim deutschen Team Gerolsteiner, für das er seit seinem Profi-Debüt 1999 in die Pedale tritt, eigentlich als Helfer in die 92. Auflage der Frankreich-Rundfahrt gegangen.

In den Sprints sollte er Teamkollegen Robert Förster in Position bringen, sonst Kapitän und Landsmann Georg Totschnig abschirmen. Doch es kam ganz anders: "Paco" zeigte einmal mehr, dass er das richtige "G'spür" für Rennsituationen hat, nutzte in Tours die Gunst der Stunde und musste sich nur dem inzwischen zweifachen Tagessieger Tom Boonen (BEL) geschlagen geben.

Dass der nie schlecht gelaunte Kärntner von seinen sportbegeisterten Eltern im Heimatort Latschach eine gehörige Portion Bescheidenheit mitbekommen hatte, bewies Wrolich in einer ersten Reaktion: "Das war gerade einmal die dritte Etappe und die Tour ist noch lang. Man muss die Kirche im Dorf lassen."

Neben der Kirche beließ Wrolich auch seine Wurzeln im Dorf am Faaker See, betreibt in Latschach neben Ferienwohnungen ein Spezialitätenrestaurant. In Zukunft wird zum Lammfleisch in der "Taverna PACO" wohl auch Spitzenwein aus der Touraine serviert - um an Wrolichs bis dato größten Erfolg zu erinnern.

Doch schon vor dem für Radsport-Österreich historischen 4. Juli 2005 hatte der "Wuschelkopf" mehrmals seine Visitenkarte abgegeben: 1999 gewann er eine Etappe der Tour de L'Avenir, 2000 beim Uniqa-Classic, 2002 den Klassiker "Rund um Köln" und zuletzt eine Etappe der Georgia-Tour - im Sprint gegen den großen Lance Armstrong.

Dennoch haben vor der "Großen Schleife" viele eher seinem (Wahl-)Klagenfurter Trainingskollegen Bernhard Eisel den ersten österreichischen Tour-Etappensieg seit Max Bulla 1931 zugetraut. Gemeinsam gehen alle fünf österreichischen Saisonsiege bei den Profis aufs Konto der beiden Sprinter.

"Sprinter" wohlgemerkt - obwohl Wrolich schon in jungen Jahren als Allrounder gegolten hatte. Mit 14 Jahren entschied sich der Kärntner gegen erfolgreiche Karrieren im Langlauf, Triathlon und Crosslauf und für den Radsport. Dort wurde er schnell zum "Titelhamster", sammelte im Jahresrhythmus insgesamt sieben Nachwuchs-Meistertitel, ehe aus dem Talent 1999 ein ausgewachsener (1,78 m großer und 68 kg schwerer) Gerolsteiner-Profi wurde.

Nur etwas mehr als zehn Prozent und damit die wenigsten der heimischen Radsport-Fans rechneten auf einer Umfrage der Internet-Plattform "Sport1.at" damit, dass Wrolich von den vier ÖRV-Profis bei der Tour am ehesten überzeugen könnte. Vielleicht liegt es daran, dass er gar nicht so gerne im Rampenlicht steht. Aber eines musste der endschnelle "Hobby-Student" in aller Bescheidenheit feststellen: "Man fährt nicht jeden Tag bei der Tour de France unter die ersten Drei." (apa)

4.7.2005 20:41