Freitag, 8. Juli 2005

London 2012 mit zwei Sportarten weniger: IOC hat Baseball und Softball gestrichen!

  • Niederlage für Rogge: Kein Ersatz für US-Sportarten
  • Wallner: "Für uns Österreicher kein großer Verlust"

Jacques Rogge hat bei seinem Bemühen um eine Modernisierung des Programms Olympischer Spiele ein Debakel erlebt. Zwar gelang dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Freitag in Singapur mit dem Ausschluss von Baseball und Softball aus dem Programm der Sommerspiele 2012 in London eine doppelte Streichung. Doch anschließend scheiterte der Belgier vor der 117. Vollversammlung mit seinem Bemühen, durch die Aufnahme zweier neuen Sportarten ihre Zahl wieder auf 28 zu erhöhen.

Die hatte er zuvor als "ideal und gut ausbalanciert" bezeichnet. So kam am Ende der Sitzung eine ungewollte, aber sicherlich nicht schädliche Reduzierung heraus. Von den fünf Reservesportarten überstanden Golf und Rugby bereits die ersten von zehn Runden einer überaus komplizierten Wahlprozedur nicht. Danach erhielten auch Inline-Skating, Squash und Karate nicht die erforderlichen Mehrheiten."

Nur noch 26 Sportarten in London
Dies bedeutet, dass London in sieben Jahren lediglich 26 Sportarten ausrichtet, so viel wie Atlanta 1996. Die gute Nachricht dabei ist, dass die in den vergangenen Jahrzehnten ständig gewachsenen Spiele zwei ungeliebte Mannschaftsentscheidungen verloren haben.

Dem Exekutivkomitee bleibt nun bei seiner nächsten Sitzung im Herbst in Lausanne die Gestaltungsmöglichkeit, durch Veränderungen bei Disziplinen und Wettbewerben innerhalb der nur noch 26 Sportarten neue Akzente zu setzen. Wie die Zahl 28 bei Sportarten sind die Höchstgrenzen bei Wettbewerben (301) und Teilnahme von Athleten (10.500) festgeschrieben.

"Es war eine wichtige Entscheidung in einem demokratischen Prozess", sagte ein sichtlich unzufriedener Rogge zum Abschluss des Sitzungstages. Seine Sprecherin Giselle Davies versuchte die Ereignisse, die im Tagungssaal Zögern, Unmut und offene Unzufriedenheit erzeugt hatten, in einen Erfolg umzumünzen: "Der Präsident hat sich über das klare Votum gefreut. Die IOC-Mitglieder haben eine klare Aussage gemacht: Statt Quantität mehr Qualität."

Karate und Squash scheiterten als Finalisten
Erst nach acht Durchgängen waren Karate und Squash als Finalisten ermittelt. Als Rogge versuchte, die geheime, elektronische Wahl in ein offenes Votum umzuwandeln, erntete er sogar einige Buhrufe.

Beide Sportarten scheiterten dann deutlich an der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit. Überraschend war, dass vor allem Golf abgeschmettert wurde. Der von Rogge gewollte Weltsport erhielt mit 14 bzw. 15 die wenigsten (von 105) Stimmen überhaupt.

Am Vormittag hatten die Olympier auf der Basis einer eingehenden Untersuchung der Programmkommission über alle 28 Sportarten einzeln abstimmen müssen. Ausscheiden musste, wer keine Mehrheit erhielt. Baseball wurde zum Verhängnis, dass die zu den Spielen 1992 aufgenommene Sportart nicht mit den Profis der US-Liga bei Olympia aufgetreten ist.

Die Frauensportart Softball, die 1996 erstmals veranstaltet wurde, gilt als nicht global genug. "Für uns Österreicher ist das kein großer Verlust", meinte ÖOC-Präsident Leo Wallner nach der Abwahl der beiden Sportarten.

(apa/red)

8.7.2005 16:20