Sonntag, 10. Juli 2005

Auf der Suche nach den Attentäter: E-Mails,
Telefonate und SMS sollen Hinweise geben

  • Polizei-Anweisung an Unternehmen: Infos speichern
  • PLUS: EU-weite Speicherung von allen Telefonaten?

Die britische Polizei hofft, aus Telefongesprächen, E-Mails und SMS Erkenntnisse über die Verantwortlichen für die Anschläge in London zu gewinnen. Sie habe deshalb Mobilfunk- und Internet-Gesellschaften gebeten, die entsprechenden Aufzeichnungen vom Donnerstag, dem Tag der Anschläge, nicht zu löschen, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Zudem appellierte die Polizei an Zeugen, den Ermittlern mit Handys aufgenommene Fotos und Videos von den Anschlagsorten zur Verfügung zu stellen.

Die Polizei habe allerdings keine rechtliche Handhabe, Unternehmen zur Speicherung der Informationen zu zwingen, räumte der Sprecher ein. Einige hätten bereits geantwortet, dass sie der Aufforderung aus technischen Gründen nicht nachkommen könnten. "Die Idee ist es, zu verhindern, dass für die Ermittlungen wichtiges Material verschwindet", sagte der Sprecher.

Die Behörde hoffe auf diesem Weg Verdächtige identifizieren und unter anderem feststellen zu können, mit wem sie kommuniziert haben. Ein Sprecher des Telekom-Konzerns BT bestätigte die Anfrage der Polizei, wollte sich dazu aber nicht äußern.

Bei den Anschlägen in der Hauptstadt starben am Donnerstag mehr als 50 Menschen. Hunderte wurden verletzt. Ähnlich wie sein deutscher Kollege Otto Schily hatte der britische Innenminister Charles Clarke erst kürzlich eine längere Aufbewahrung von Kommunikationsdaten durch die Telekom-Branche gefordert. Clarke strebt dazu über die Europäischen Union an, die Unternehmen zu verpflichten, Telefongespräche oder Mitteilungen über das Internet für einen längeren Zeitraum aufzubewahren.(apa/red)

10.7.2005 22:57