Intensive Jagd nach Hintermännern: Terror-Drahtzieher studierte Chemie in den USA!
- Polizeichef: Alle 4 Attentäter von London identifiziert
- Zahl der Todesopfer der Anschläge auf 54 gestiegen
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Das ist die Al Kaida
Terror-Netzwerk 1989 von Bin Laden gegründet
·Chronologie: Terror seit dem 11.9.2001
Die schwersten Attentate der letzten Jahre
·INFO-GRAFIK: Terror- Anschläge in London
Übersicht: Wo die Explosionen stattfanden
Vier Selbstmordattentäter haben vor einer Woche die Anschläge in London verübt, wie Polizeichef Ian Blair am Donnerstag mitteilte. Alle vier seien inzwischen identifiziert. "Wir wissen, wer die vier waren, die die Bomben mit sich führten." Die Namen gab er allerdings nicht bekannt. Er schloss nicht aus, dass es weitere Attentäter gab, die Ermittlungen konzentrierten sich jetzt aber auf die Hintermänner der Terrorserie. Wie die Polizei weiters mitteilte, ist eine Woche nach den Anschlägen die Zahl der Todesopfer auf 54 gestiegen.
Einer der im Zusammenhang mit den Bombenanschlägen von London gesuchten Männer hat früher ein Semester lang in den USA studiert. Wie die Universität des US-Staates North Carolina in Raleigh am Donnerstag mitteilte, studierte der äyptischstämmige Magdi Al-Nashar dort zwischen Jänenr und Mai 2000 Chemie. Al-Nashar, der verdächtigt wird, einer der Hintermänner der Attentate vom Donnerstag vergangener Woche zu sein, war nach Infomationen der Londoner Zeitung "Times" zuletzt Dozent für Chemie in Leeds.
Die "Financial Times" berichtete, Scotland Yard habe am Dienstag die Wohnung des Chemikers durchsucht. Nach einem Bericht des US-Fernsehsenders ABC hatte Nashar die Wohnung drei Wochen vor den Anschlägen gemietet. Dort seien die vier Bomben hergestellt worden, die bei den Anschlägen verwendet wurden. Laut dem britischen Blatt "The Sun" reiste Nashar kurz vor den Anschlägen nach Ägypten aus.
Stammt vierter Attentäter aus Jamaika?
Bereits zuvor hatte der Sender Sky TV berichtet, dass der vierte mutmaßliche Attentäter von London identifiziert worden sei. Dabei wurde unter Berufung auf einen hochrangigen Sicherheitsvertreter erklärt, es handle sich um einen in Jamaika geborenen Briten. Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich bei den anderen drei mutmaßlichen Tätern um radikale britische Moslems pakistanischer Abstammung.
"Al Kaida ist keine Organisation, sondern Methode"
"Wir wissen nicht, ob es einen fünften, sechsten oder siebten Mann gab. Jetzt müssen wir herausfinden, wer die Anschläge plante," sagte Blair. Auf die Rolle von Al Kaida angesprochen erklärte der Chef der Metropolitan Police: "Al Kaida ist keine Organisation, sondern eine Methode. Und dies trägt die Handschrift ihrer Vorgehensweise." Al Kaida sei in der Lage, Terroristen auszubilden und mit dem notwendigen Fachwissen auszustatten. "Das ist hier geschehen."
Bei ihren Ermittlungen zu den Urhebern durchsuchten Beamte von Scotland Yard am Donnerstag eine weitere Wohnung in Leeds. In der nordenglischen Industriestadt wurden bereits am Dienstag mehrere Häuser gestürmt. Am Mittwoch wurden die Ermittlungen dann auf ein Gebäude in Aylesbury, 65 Kilometer nordwestlich von London ausgeweitet, wo auch ein Wagen der Attentäter sichergestellt wurde. Ein 29-Jähriger aus Leeds wurde am Donnerstag weiter verhört.
Die Behörden verteilten Flugblätter an Bahnhöfen und U-Bahn-Stationen. Darauf wurden alle Augenzeugen der Anschläge aufgefordert, ihre Beobachtungen und Vermutungen der Polizei mitzuteilen. Nach Informationen aus US-Regierungskreisen handelt es sich bei den Selbstmordattentätern um Männer im Alter von 19 bis 30 Jahren. Der älteste von ihnen war Vater eines acht Monate alten Kleinkindes. Nach BBC-Informationen zufolge suchen die Ermittler einen fünften Verdächtigen. Laut "Times" handelt es sich dabei um einen gebürtigen Ägypter, der an der Universität von Leeds Chemie unterrichtet haben soll.
Weitere Verdächtige auf Videoaufnahmen
Mehrere Zeitungen berichteten, dass auf Videoaufzeichnungen mit den vier Bombenlegern mindestens zwei weitere Verdächtige in Erscheinung getreten seien. Ein Mann habe sich am Bahnhof Luton nördlich von London mit den vier Männern unterhalten, die von dort aus in die Hauptstadt gefahren seien. Ein anderer sei am Londoner Bahnhof King's Cross mit ihnen gesehen worden - 20 Minuten vor der Ausführung der Anschläge.
Der bei den Anschlägen verwendete Sprengstoff kommt wahrscheinlich aus Bosnien-Herzegowina, sagte der Forschungsdirektor der Vereinigung für Internationale Strategische Studien (ISSA), Yossef Bodansky. Es stehe außer Zweifel, dass die Bombenleger Teil eines größeren Netzwerks gewesen seien, das sich um Ausbildung und Logistik gekümmert habe.
Als Reaktion auf die Anschläge plant Premierminister Tony Blair schärfere Gesetze zur Bekämpfung des Terrorismus. Darüber will er in der kommenden Woche mit Spitzenvertretern der Polizei und der Geheimdienste beraten, wie sein Büro in der Londoner Downing Street mitteilte. Demnach plant Blair auch Unterredungen mit den Parteichefs der Opposition, um einen breiten politischen Konsens für eine neue Anti-Terror-Gesetzgebung zu erzielen.
Trauerminuten in ganzer EU
Die 25 Mitgliedstaaten der Europäischen Union hielten um 13.00 Uhr (12.00 Uhr britischer Zeit) zwei Schweigeminuten zum Gedenken an die Opfer und als Zeichen der Solidarität ab. Selbst an den sonst so hektischen Börsen in der britischen Hauptstadt sowie in Frankfurt und an anderen europäischen Handelsplätzen verharrten die Börsianer in stillem Gedenken.
Auch in vielen Büros und Fabriken legten die Beschäftigten für einige Minuten die Arbeit nieder und gedachten der mehr als 50 Todesopfer. Taxis und Busse blieben stehen. Von den Londoner Flughäfen starteten während der Gedenkminuten keine Flugzeuge.
(apa/red)
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