Samstag, 9. Juli 2005

BZÖ-Chef Haider zu London: "Zündler und Kriegstreiber" für Terror verantwortlich

  • 'Bush & Blair haben Ehre der arabischen Welt verletzt'
  • Fordert Friedeninitiative der EU für Irak & Afghanistan

Eine Friedensinitiative der Europäischen Union für den Irak, Afghanistan und die arabische Welt fordert BZÖ-Obmann Jörg Haider angesichts der jüngsten Terroranschläge in London. Ein weiteres "Aufrüsten" als Konsequenz aus den Attentaten bezeichnete Haider im Interview mit der APA als unsinnig. Verantwortlich für den Terror seien die "Zündler und Kriegstreiber" in den USA und in Großbritannien.

Der mit einer "Lüge" von US-Präsident George Bush und dem britischen Premierminister Tony Blair begonnene Irak-Krieg hat nach Ansicht Haiders den Extremisten in die Hände gespielt und die Terroranschläge von Madrid und jetzt London erst ausgelöst. "Bush und Blair haben die Ehre der arabischen Menschen verletzt", sagte Haider.

Jetzt nach noch mehr Waffen, noch mehr Überwachung und noch schärferen Sicherheitsvorkehrungen zu rufen, ist für den Kärntner Landeshauptmann der falsche Weg: "Großbritannien ist ja angeblich hervorragend gerüstet gewesen, und trotzdem hat es die Anschlagserie gegeben." Nun gelte es zu verhindern, dass sich die EU vor den Karren der US-Politik spannen lasse. Die Union sollte vielmehr eine eigenständige Politik entwickeln, um im Nahen und Mittleren Osten für Frieden zu sorgen.

"Leider gibt es sehr viele EU-Politiker, die sich als Ministranten beim Hochamt der US-Kriegspolitik verstehen anstatt als Friedenspolitiker", kritisierte der BZÖ-Chef. Auch bei Österreichs Politikern gebe es eine gewisse "Hörigkeit" gegenüber der amerikanischen Politik, vermutlich motiviert von "der Hoffnung auf ein Foto mit Bush im Oval Office", meinte Haider.

Eine "vernünftige Friedensmission" sei aber die einzige Möglichkeit, die Problematik zu lösen, "denn dort liegt der Schlüssel für den Terror". Diplomatie und Verhandlungen böten einen Ausweg, die Methode der USA, den Irak mit Militärgewalt befrieden zu wollen, "kann nur in der Katastrophe enden", erklärte der BZÖ-Obmann.

Auf die Frage, was die Europäer konkret tun sollten, meinte er: "Als Erstes muss es einen möglichst raschen Truppenabzug aus dem Irak geben". Parallel dazu sollten die USA dazu bewegt werden, sich aus dem Irak, aber auch aus Saudiarabien und Kuwait zurückzuziehen. Haider: "In Wahrheit haben die dort nichts verloren". Die US-Truppen im Nahen Osten seien ohnehin nur am Öl interessiert, "die irakische Bevölkerung ist der US-Administration völlig egal".

Europa hätte - im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten - gute Chancen, mit einem vernünftigen Konzept für Stabilität in der Region zu sorgen, glaubt Haider. "Die arabische Welt schätzt Europa an sich sehr, nur nicht jene, die als Landsknechte der Amerikaner agieren." Die Befürchtungen Italiens, ebenfalls zur Zielscheibe islamistischer Terroristen zu werden, seien jedenfalls berechtigt. Haider: "Es kommen alle dran, die den Krieg unterstützen, allerdings weiß man natürlich nicht, wann das sein wird".
(apa/red)

9.7.2005 19:01